> Datum: Wed, 7 Jul 2004 12:51:53 +0200

> Von: Klaus von Raussendorff <redaktion@aikor.de>

> Antwort an: Klaus von Raussendorff <redaktion@aikor.de>

> Betreff: Widerstand des irakischen Volkes gegen die Besatzung

> An: Klaus von Raussendorff <raussendorff@web.de>

>

> Liebe Leute,

>

> zum Widerstand des irakischen Volkes gegen die Besatzung dokumentiere ich:

>

> "BIS ZUR BEFREIUNG BAGDADS IST ES NICHT MEHR WEIT"

> (Interview mit drei Offizieren des irakischen Widerstands)

> Von Alix de la Grange

> Asia Times vom 24 June 2004

> http://globalresearch.ca/articles/GRA406A.html

> [ 1 ]

>

> MANIFEST DER IRAKISCHEN PATRIOTEN

> (Kommuniqué des Vereinigten Nationalen Rates des Irakischen Widerstands)

> vom 21. April 2004

> http://www.almuajaha.com/newswire/display/4437/index.php

> [ 2 ]

>

> DEUTSCHLAND WILL IM INTERNATIONALEN MACHTPOKER MITSPIELEN

> Auszug aus dem Aufruf zur Protestkundgebung anlässlich der "Machtübergabe"

> im Irak am Samstag, 10. Juli 2004, um 13 Uhr in München am Stachus;

> Kontakt: Claus Schreer, Telefon: 169519, Fax: 1689415

> [ 3 ]

>

> DIE BETEILIGUNG DEUTSCHLANDS AM KRIEG GEGEN DEN IRAK -

> Aus: isw-spezial 18 "Der Irak-Krieg und die Folgen ..." (Dezember 2003).

> [ 4 ]

>

> VÖLKERRECHTS- UND VERFASSUNGSBRUCH DURCH DIE BUNDESREGIERUNG

> Aus: isw-spezial 18 "Der Irak-Krieg und die Folgen ..." (Dezember 2003).

> [ 5 ]

>

> IRAKISCHE SOUVERÄNITÄT

> Von Kilian Stein

> Aus: "Ossietzky" 13/04 vom 26. Juni 2004

> [ 6 ]

>

>

> Mit internationalistischen Grüßen

> Klaus von Raussendorff

 

 

> *******************************************************************

> [ 1 ]

>

> Asia Times vom 24 June 2004

> http://globalresearch.ca/articles/GRA406A.html

>

> "BIS ZUR BEFREIUNG BAGDADS IST ES NICHT MEHR WEIT"

>

> Von Alix de la Grange

>

> Am Vorabend der so genannten Übergabe der Souveränität an die neue irakische

> geschäftsführende Regierung am 30. Juni haben ehemalige Generäle Saddam

> Husseins, die inzwischen der Elite des irakischen Widerstands angehören,

> ihre geheimen Stellungen vorübergehend verlassen, um ihre Sicht der

> Ereignisse zu erläutern und über ihre Pläne zu sprechen. Diesen Vertretern

> der Baath-Partei zufolge steht "die große Schlacht" im Irak noch bevor.

>

> "Die Amerikaner haben den Krieg vorbereitet, wir haben die Nachkriegszeit

> vorbereitet. Und die Machtübergabe am 30. Juni wird an unseren Zielen nichts

> ändern. Diese neue von den Amerikanern ernannte vorläufige Regierung hat in

> unseren Augen keine Legitimität. Es handelt sich um nichts anderes als

> Marionetten."

>

> Warum haben diese ehemaligen Offiziere so lange abgewartet, um aus ihren

> Verstecken herauszukommen? "Weil wir heute sicher sind, dass wir gewinnen

> werden."

>

> Geheimtreff

>

> Palestine Hotel, Dienstag, drei Uhr nachmittags. Eine Woche nach einer

> förmlichen Bitte verflüchtigt sich die Aussicht auf ein Gespräch mit dem

> Widerstand. Wir erleben eine Serie von Enttäuschungen - bis ein Mann, den

> wir nie zuvor gesehen haben, diskret an unseren Tisch kommt. "Wollen Sie

> immer noch mit Mitgliedern des Widerstands zusammen treffen?" Er spricht mit

> meiner Mitarbeiterin, einer arabischen Journalistin, die schon viele Male im

> Irak gewesen ist. Das Gespräch ist kurz. "Wir treffen uns morgen früh beim

> Babel Hotel," sagt der Mann, bevor er wieder verschwindet. Entgegen alle

> Erwartungen scheint dieser Kontakt verlässlicher als die bisher versuchten.

>

> Hotel Babel, Mittwoch, neun Uhr morgens. Am Eingang des von ausländischen

> Söldnern belagerten Internetcafes, legt der Mann vom Vortage fest: "Morgen

> 10 Uhr, Al-Saadoun-Straße, vor dem "Palestine". Kommen Sie ohne Ihren

> Fahrer."

>

> Donnerstag Morgen kommen wir per Taxi am Treffpunkt an. Schon haben wir

> Kontakt. Nach einem kurzen "Salam Aleikum" setzen wir uns in sein Auto. "Wo

> fahren wir hin?" Keine Antwort.

>

> Wir fahren über zwei Stunden. In Bagdad sind, selbst wenn der Verkehr nicht

> durch Militärkontrollpunkte total blockiert ist, Verkehrsstaus immer an der

> Tagesordnung. In einem Jahr sind über 300.000 Fahrzeuge ins Land

> geschmuggelt worden. Jeder zweite Wagen hat kein Kennzeichen, und die

> meisten Fahre wissen nicht einmal, was ein "Führerschein" ist.

>

> "Wir sind bald da. Kennen Sie Bagdad?" fragt unser Mann. Die Antwort lautet

> eindeutig nein. Um sich in der wimmelnden Stadt auszukennen, müsste man sich

> frei und zu Fuß bewegen können. Doch bei der um sich greifenden

> Kriminalität, einer Welle von Entführungen, den 50 bis 60 täglichen

> Angriffen gegen die Besatzungsstreitkräfte und der wahllosen Reaktion des

> amerikanischen Militärs gibt es kaum einen Anreiz, zu irgendwelchen

> Spaziergängen aufzubrechen.

>

> Der Wagen hält in einer Gasse nahe einem Minibus mit abgedunkelten Scheiben.

> Eine der Türen öffnet sich. Drinnen befinden sich drei Männer und ein

> Fahrer, der alle Straßen und Häuser ringsum sorgfältig mit den Augen

> absucht. Wenn auch wir nicht wissen, wem wir gegenüber stehen, so scheinen

> unsere Gesprächspartner doch sehr gut unterrichtet, mit wem sie es zu tun

> haben. "Bevor wir uns unterhalten, möchten wir unsererseits keinerlei

> Zweifel über unsere Identität aufkommen lassen", erklären sie, während sie

> einige Papiere aus einem staubigen Plastikbeutel hervorholen: Ausweise,

> Militärpässe und einige Fotos, auf denen sie in Uniform neben Saddam Hussein

> zu sehen sind. Es sind zwei Generäle und ein Oberst der aufgelösten

> irakischen Armee, inzwischen seit vielen Monaten auf der Flucht, gejagt von

> den Geheimdiensten der Koalition.

>

> "Wir würden gerne einige in den westlichen Medien verbreiteten Informationen

> richtig stellen. Daher haben wir die Initiative ergriffen, Sie zu treffen."

> Unser Gespräch dauert über drei Stunden.

>

>

> Zurück zum Fall Bagdads

>

> "Wir wussten, dass wenn die Vereinigten Staaten sich entschließen würden,

> den Irak anzugreifen, wir angesichts ihrer technologischen und militärischen

> Macht keine Chance haben würden. Der Krieg war von vorn herein verloren,

> daher bereiteten wir die Nachkriegszeit vor. Mit anderen Worten: den

> Widerstand. Im Gegensatz zu dem, was allgemein verbreitet wird, sind wir

> nicht desertiert, nachdem die amerikanischen Truppen am 5. April 2003 in das

> Zentrum von Bagdad vorrückten. Wir kämpften einige Tage für die Ehre des

> Irak - nicht von Saddam Hussein - dann erhielten wir Befehl, uns zu

> zerstreuen." Bagdad fiel am 9. April, und Saddam und seine Armee waren

> nirgends zu sehen.

>

> "Wie wir voraus gesehen hatten, fielen die strategischen Zonen schnell unter

> die Kontrolle der Amerikaner und ihrer Alliierten. Unsererseits wurde es

> Zeit, unseren Plan auszuführen. Oppositionelle Bewegungen gegen die

> Besatzung waren bereits organisiert. Unsere Strategie wurde nach dem Fall

> des Regimes nicht improvisiert." Dieser Plan B, der den Amerikanern

> anscheinend völlig entgangen ist, war nach Aussage dieser Offiziere

> sorgfältig monatelang, wenn nicht jahrelang vor dem 20. März 2003, dem

> Beginn der "Operation Irakische Freiheit" organisiert worden.

>

> Das Ziel war, "den Irak zu befreien und die Koalition zu vertreiben. Unsere

> Souveränität wieder zu erlangen und eine weltliche Demokratie zu errichten,

> allerdings nicht die von den Amerikanern oktroyierte. Irak ist immer ein

> fortschrittliches Land gewesen, wir wollen nicht zur Vergangenheit

> zurückkehren, wir wollen vorwärts gehen. Wir haben sehr fähige Menschen,"

> erklären die drei Taktiker. Selbstverständlich gibt es bezüglich des

> geheimen Netzwerks keine Namen oder genaue Zahlen. "Wir haben Leute in

> genügender Anzahl. Was uns nicht mangelt, sind Freiwillige."

>

>

> Fallujah

>

> Die tödliche Offensive der amerikanischen Truppen in Fallujah im März ist

> für den Widerstand der Wendepunkt gewesen. Die wahllosen Plünderungen der

> amerikanischen Soldaten bei den Durchsuchungen (für die es viele Zeugen

> gibt) und die sexuelle Erniedrigung der Gefangenen, darunter im Abu Graib

> Gefängnis in Bagdad, haben die Wut der meisten Iraker nur noch vergrößert.

> "Es gibt kein Vertrauen mehr. Es wird schwer sein, es zurück zu gewinnen."

> Nach Ansicht dieser Führer des Widerstands "haben wir den Punkt erreicht, wo

> es kein Zurück mehr gibt."

>

> Dies ist genau die Meinung der schiitischen Frau, die wir zwei Tage vorher

> trafen, einer früheren gegen Saddam im Untergrund aktiven Oppositionellen:

> "Der größte Fehler der Besatzungstruppen war es, unsere Traditionen und

> unsere Kultur zu missachten. Sie sind nicht damit zufrieden, unsere

> Infrastruktur zerbombt zu haben, sie haben versucht, unser

> Gesellschaftssystem und unsere Würde zu zerstören. Und das können wir nicht

> zulassen. Die Wunden sind tief, und die Heilung wird lange dauern. Wir leben

> lieber unter dem Terror von einem der Unseren als unter der Erniedrigung

> einer ausländischen Besatzung."

>

> Saddams Generälen zufolge "herrschen ein Jahr nach dem Beginn des Krieges im

> Lande immer noch Unsicherheit und Anarchie. Wegen ihrer Unfähigkeit, die

> Lage zu kontrollieren und ihre Versprechen einzuhalten, haben die Amerikaner

> die Bevölkerung als Ganzes gegen sich aufgebracht. Der Widerstand ist nicht

> auf ein paar Tausend Aktivisten beschränkt. Fünfundsiebzig Prozent der

> Bevölkerung unterstützt uns und hilft uns, direkt oder indirekt, indem

> Nachrichten überbracht und Kämpfer und Waffen versteckt werden. Und dies

> trotz der Tatsache, dass viele Zivilisten bei Operationen gegen die

> Koalition und ihre Kollaborateure hineingezogen werden und zu Schaden

> kommen."

>

> Wen sehen sie als "Kollaborateure" an? "Jeder Iraker oder Ausländer, der mit

> der Koalition zusammenarbeitet, ist ein Ziel. Ministerien, Söldner,

> Übersetzer, Geschäftsleute, Köche oder Dienstmädchen, der Grad der

> Kollaboration spielt keine Rolle. Einen Vertrag mit den Besatzern zu

> unterzeichnen bedeutet, seinen Totenschein zu unterzeichnen. Iraker oder

> nicht, es sind Verräter. Vergessen Sie nicht, dass wir uns im Krieg

> befinden."

>

> Die Möglichkeiten der Abschreckung, über die der Widerstand verfügt, hat die

> Liste der Kandidaten ständig schrumpfen lassen, die für die von der

> Koalition angebotenen Schlüsselposten in der Regierung zur Verfügung stehen,

> und dies in einem Land, das durch dreizehn Jahre Embargo und zwei Kriege

> verwüstet wurde, und wo die Arbeitslosigkeit ein ungeheures Problem ist. Das

> um sich greifende Chaos ist nicht der einzige Grund, der Menschen von der

> Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit abhält. Obgleich die Amerikaner

> sich notgedrungen entschließen mussten, ehemalige Baath-Leute (Polizisten,

> Geheimdienstler, Militärs und Mitarbeiter der Ölindustrie) wieder

> einzustellen, gilt dies doch nicht für jeden. Die Mehrzahl der von dem

> Erlass von Zivilverwalter L. Paul Bremer vom 16. Mai 2003 über die

> Entbaathifizierung des Irak Betroffenen lebt immer noch im Verborgenen.

>

>

> Das Netzwerk

>

> Im Wesentlichen aus Baath-Leuten (Sunniten und Schiiten) bestehend, umfasst

> der Widerstand gegenwärtig "alle Bewegungen des nationalen Kampfes gegen die

> Besatzung, ohne dass nach konfessionellen, ethnischen oder politischen

> Gesichtspunkten unterschieden wird. Im Gegensatz zu dem, was Sie sich im

> Westen vorstellen, findet im Irak kein Bruderkrieg statt. Wir haben eine

> Einheitsfront gegen den Feind. Von Falludjah bis Ramadi, einschließlich

> Najaf, Karbala und den schiitischen Vorstädten von Bagdad, sprechen die

> Kämpfer mit einer einzigen Stimme. Was den jungen schiitischen Führer

> Muqtada al-Sadr angeht, so tritt er wie wir für die Einheit des Irak als

> multikonfessionelles und arabisches Land ein. Wir unterstützen ihn in

> taktischer und logistischer Hinsicht."

>

> Jede irakische Region hat ihre eigenen Kämpfer und jeder Fraktion steht es

> frei, über ihre Ziel und ihre Vorgehensweise zu entscheiden. Saddams

> Generäle bestehen darauf, dass es keine Rivalität zwischen diesen

> verschiedenen Organisationen gibt, abgesehen davon, wer die meisten

> Amerikaner unschädlich macht.

>

>

> Wahl der Waffen

>

> "Die Angriffe sind genau vorbereitet. Sie dürfen nicht länger als 20 Minuten

> dauern, und wir operieren am liebsten bei Nacht oder sehr früh am Morgen, um

> das Risiko zu beschränken, irakische Zivilisten zu treffen." Sie nehmen

> unsere nächste Frage vorweg: "Nein, wir haben keine

> Massenvernichtungswaffen. Andererseits haben wir mehr als 50 Millionen

> konventionelle Waffen." Auf Initiative von Saddam wurde lange vor dem Beginn

> des Krieges ein regelrechtes Arsenal landesweit versteckt untergebracht.

> Keine schwere Artillerie, keine Panzer, keine Hubschrauber, aber Katjuschas,

> Mörser (von den Irakern Haoun genannt), Antipanzerminen, Raketengranatwerfer

> und andere russische Raketenwerfer, Lenkgeschosse, AK 47 und umfangreiche

> Reserven an Munition aller Art. Und die Liste ist bei weitem nicht

> erschöpfend.

>

> Aber die effizienteste Waffe bleiben die Kamikaze. Eine besondere Einheit,

> die zu 90 Prozent aus Irakern und zu 10 Prozent aus ausländischen Kämpfern

> besteht, mit mehr als 5000 gründlich ausgebildeten Männern und Frauen. Diese

> brauchen nicht mehr als einen mündlichen Befehl, um ein mit Sprengstoff

> beladenes Fahrzeug zu steuern.

>

> Was, wenn die Waffenreserve zur Neige geht? "Kein Grund zur Sorge, wir haben

> schon seit einiger Zeit unsere eigenen Waffen hergestellt." Das ist alles,

> was sie preiszugeben bereit sind.

>

>

> Verantwortung für Angriffe

>

> "Ja, wir haben letzten März in Fallujah die vier amerikanischen Söldner

> hingerichtet. Doch die amerikanischen Soldaten warteten vier Stunden bevor

> sie die Leichen bargen, obgleich sie das sonst in weniger als 20 Minuten

> erledigen. Zwei Tage zuvor war eine junge verheiratete Frau willkürlich

> verhaftet worden. Für die Bevölkerung brachte dies das Fass zum Überlaufen.

> Da ließ man die angestaute Wut an den vier Leichen aus. Die Amerikaner haben

> lebendigen Irakern in Gefangenschaft weitaus Schlimmeres angetan."

>

> Der Selbstmordangriff vom 22. September 2003, bei dem Akilaal Hashimi, eine

> Dipomatin und Angehörige des irakischen Regierungsrates umkam, ist ebenfalls

> vom Widerstand ausgeführt worden, ebenso die Autobombe, welche am 17. Mai

> diesen Jahres am Eingang zur Grünen Zone (von den Irakern wegen der Zahl der

> Angriffe des Widerstands die rote Zone genannt) den Präsidenten des

> irakischen Regierungsrates, Ezzedin Salim, tötete.

>

> Sie sind auch für die Entführung von Ausländern verantwortlich. "Wir sind

> uns bewusst, dass die Entführung ausländischer Staatsangehöriger unser Image

> beschädigt, aber versuchen Sie die Situation zu verstehen. Wir sind

> gezwungen, die Identität von Leute zu kontrollieren, die sich auf unserem

> Territorium bewegen. Wenn wir den Beweis haben, dass sie humanitäre Helfer

> oder Journalisten sind, lassen wir sie frei. Wenn sie Spione, Söldner oder

> Kollaborateure sind, richten wir sie hin. Lassen sie uns in dieser Beziehung

> eins klar stellen, wir sind nicht für den Tod von Nick Berg, des Amerikaners

> der enthauptet wurde, verantwortlich.

>

> Was den Angriff auf das Hauptquartier der UN in Bagdad am 20. August 2003

> angeht: "Wir haben nie einen Befehl zum Angriff auf die UN erlassen und wir

> hatten große Hochachtung vor dem Brasilianer Sergio Vieira de Mello [dem

> UN-Sondergesandten, der bei dem Angriff starb], aber es ist nicht unmöglich,

> dass die Urheber dieses Anschlags aus einer anderen Widerstandsgruppe kamen.

> Wie wir erläutert haben, kontrollieren wir nicht alles. Und wir dürfen nicht

> vergessen, dass die UN für die 13 Jahre Embargo verantwortlich sind, die wir

> ertragen haben."

>

> Was ist mit dem Angriff gegen das Rote Kreuz im Bagdad am 27. Oktober 2003?

> "Das hatte nichts mit uns zu tun, wir haben immer große Achtung vor dieser

> Organisation und den Menschen, die für sie arbeiten, gehabt. Welches

> Interesse sollten wir daran haben, eine der wenigen Institutionen

> anzugreifen, die der irakischen Bevölkerung seit Jahren geholfen haben. Wir

> wissen, dass Leute aus Falludja diesen Angriff für sich beansprucht haben,

> aber wir können ihnen versichern, dass sie nicht Teil des Widerstands sind.

> Und wir fügen hinzu: es gibt viele, die aus politischen und wirtschaftlichen

> Gründen ein Interesse daran haben, uns zu diskreditieren."

>

>

> Nach dem 30. Juni

>

> "Die Resolution 1546 vom 8. Juni ist in den Augen vieler Iraker nichts als

> ein weiteres Gespinst von Lügen. Erstens, weil sie offiziell die Besatzung

> durch fremde Truppen beendet und gleichzeitig die Anwesenheit einer

> multilateralen Truppe unter amerikanischem Kommando zulässt, ohne das Datum

> ihres Abzugs zu bestimmen. Zweitens, weil ein Recht der Iraker, gegen

> wichtige militärische Operationen Einspruch zu erheben, das von Frankreich,

> Russland und China gefordert wurde, abgelehnt wurde. Washington hat

> lediglich einen vagen Begriff von Partnerschaft mit der irakischen Behörde

> zugestanden, und was im Fall der Nichtübereinstimmung geschieht, bleibt

> offen. Die Iraker sind nicht dumm. Der Verbleib der amerikanischen Truppen

> im Irak nach dem 30. Juni und die Mittel, die vom US-Kongress kommen, lassen

> keinen Zweifel daran, wer das Land in Wirklichkeit regiert.

>

> Was ist mit einer möglichen Rolle der NATO? "Wenn die NATO interveniert,

> geschieht das nicht, um unserem Volk zu helfen, sondern um den Amerikanern

> zu helfen, aus dem Sumpf herauszukommen. Hätte sie unser Wohl im Auge

> gehabt, hätten sie sich früher gerührt," sagen die drei Offiziere und

> schauen auf ihre Uhren. Es ist spät und wir haben die vorgesehene Zeit weit

> überschritten.

>

> "Was die amerikanischen Truppen heute nicht erreichen, werden auch

> NATO-Truppen später nicht erreichen können. Jeder muss wissen: westliche

> Truppen werden von den Irakern als Besatzer angesehen. George W. Bush und

> sein treuer Alliierter Tony Blair täten tut daran, darüber nachzudenken.

> Wenn sie auch eine Schlacht gewonnen haben, so haben sie noch nicht den

> Krieg gewonnen. Die große Schlacht steht immer noch bevor. Bis zur Befreiung

> von Bagdad ist es nicht mehr weit."

>

> Übersetzung: Klaus von Raussendorff

>

> © Copyright ASIAN TIMES 2004. For fair use only/ pour usage équitable

> seulement.

>

> ***************************************************************************

> [ 2 ]

>

> Quelle: http://www.almuajaha.com/newswire/display/4437/index.php

>

>

> MANIFEST DER IRAKISCHEN PATRIOTEN

>

> Politisches Kommunique des irakischen Widerstands

>

> 21. April 2004

>

>

> Vereinigter Nationaler Rat des Irakischen Widerstands (UNCIR)

>

>

> Oh, Ihr stolzen Söhne des Irak

>

> Oh, Ihr ehrenhaften Araber

>

> Oh, Ihr Freunde des Friedens weltweit

>

>

> In diesen Tagen ist es ein Jahr her, dass der Angriffskrieg unter Führung

> der USA und Großbritanniens, der von Bush und Blair in Namen des Zionismus

> gegen den Irak entfesselt wurde, gegen das Land der zwei Ströme, die Wiege

> der Zivilisation und den Schauplatz einer ruhmreichen und glänzenden

> Geschichte. Während inzwischen diesen Räubern und Mördern alle Vorwände zur

> Rechtfertigung ihrer Aggression und zur Begründung der Besatzung abhanden

> gekommen sind, scheinen sie angesichts des anwachsenden heldenhaften

> Widerstands und der mutigen Anschläge mittlerweile den Verstand verloren zu

> haben. Ihr führendes Personal und ihr Zivilverwalter haben den Irakern

> nichts anderes zu verkünden, als dass weitere dunkle Tage bevorstehen. Ja,

> so Gott will, werden für die Invasoren und Aggressoren dunklere Tage kommen.

> Möge durch die Gnade Gottes, des Allmächtigen, und den Willen unseres Volkes

> das Jahr 2004 das Jahr der vollständigen Befreiung werden.

>

> Vor zehn Monaten wurde der Nationale Rat des Irakischen Widerstands geboren;

> er umfasste die Kämpfer der Baath-Partei in den Mujaheddin-Bataillonen, die

> Männer der bewaffneten Streitkräfte und die Helden des nationalen

> Sicherheitsapparates sowie mit ihnen, in vollkommener Solidarität,

> Zehntausende irakischer Patrioten, die die Besatzung und die Erniedrigung

> nicht hinnehmen. Die edlen Scheichs der Stämme, die religiösen Mujaheddin

> und zahllose islamische Kräfte haben sich diesem mutigen Widerstand

> angeschlossen, um einen organisatorischen Rahmen zur Durchführung der

> Operationen zu bilden und die Programme und Aktionen des Widerstands

> entsprechend der Entwicklung der militärischen Lage und des politischen

> Umfelds zu koordinieren. Um die Dinge eindeutig klar zu stellen, verkündet

> der Vereinigte Nationale Rat des Irakischen Widerstands (UNCIR) den Irakern

> und allen ehrenhaften Arabern sein politisches Programm. Er appelliert an

> jene Iraker, die aus Irrtum und schuldhaft in irgendeiner Weise der

> Besatzung dienen, über ihr Tun nachzudenken, unverzüglich ihre unehrenhafte

> Haltung zu ändern und in den Schoß des Widerstands zurückzukehren. Möge Gott

> ihnen vergeben für das, was sie in der Vergangenheit getan haben.

>

> Bei dieser Gelegenheit möchten wir folgende Ziele bekräftigen:

>

> 1) Absolute und globale Zurückweisung der Besatzung, ihrer Instrumente,

> ihrer Agenten und aller sich aus ihr ergebenden Strukturen, Amtstitel und

> Verräterkomitees, die den Invasoren dienen und das Volk betrügen. Wir

> appellieren an jeden, einschließlich der Mitglieder des Regierungsrats, sich

> eines Besseren zu besinnen und von dem Feuer Abstand zu nehmen, das sie bald

> verschlingen wird, und all seine Entscheidungen und Empfehlung als null und

> nichtig zu betrachten, weil falsch ist, was auf einer falschen Basis

> errichtet wurde.

>

> 2) Fortsetzung des Widerstands in all seinen bewaffneten Formen und

> Mobilisierung der Massen in Demonstrationen und Protestkundgebungen, Boykott

> der Besatzung und all ihrer Strukturen durch alle verfügbaren Mittel, bis

> der letzte Soldat den Irak verlassen hat. Alles, was dahinter zurückbleibt,

> ist für uns unannehmbar. Jeder sollte sich gesagt sein lassen, dass

> diejenigen, die Widerstand leisten und der Pflicht zum Widerstand gegen die

> Invasoren gehorchen und sie davon jagen, um den Irak zu befreien, auch

> diejenigen sind, die den Irak zu leiten und aufzubauen fähig sein werden,

> und dass im Irak kein Platz für Verräter, Räuber und Söldner sein wird.

>

> 3) Für die Zeit unmittelbar nach dem Abzug der Invasoren und der Befreiung

> des Irak rufen wir auf zur Wiederkehr des Staates in all seinen souveränen

> nationalen Organisationsformen und zur Rückkehr der Armee als einer einigen

> nationalen Einrichtung, wie sie vor dem 9. April 2003 bestand.

>

> 4) Der Nationale Rat wird zum richtigen Zeitpunkt die Bildung einer neuen

> Übergangsregierung der Nationalen Einheit für zwei Jahre bekannt geben. Die

> Übergangsregierung wird die Souveränität des Irak ausüben und den Irak

> repräsentieren. Sie wird die dringende nationale Aufgabe erfüllen, die

> Wunden zu heilen und jenen in der Bevölkerung zu helfen, die am meisten

> gelitten haben. Ihr Auftrag wird es sein, die staatlichen

> Verwaltungsstrukturen und ihre lebensnotwendigen Dienstleistungen wieder

> aufzubauen, darunter die folgenden nationalen Aufgaben:

>

> a) Organisation von Neuwahlen für einen neuen Nationalrat ("the new national

> council") innerhalb von zwei Jahren unter Aufsicht der Arabischen Liga und

> internationaler Beobachter und angesehener internationaler Organisation, die

> mit demokratischen Prozessen vertraut sind.

>

> b) Schaffung einer Beratenden Versammlung ("advisory council"), bestehend

> aus 150 als weise und ehrenhaft bekannten Mitgliedern, die unter loyalen

> Irakern ausgewählt werden, die ihre Hände nicht mit den Invasoren beschmutzt

> haben, die als Rat der Weisen ("Council of Wise Men") angesehen werden und

> beratend wirken, Meinungen gegenüber der Übergangsregierung zum Ausdruck

> bringen und mit dem Ministerrat an der Ausarbeitung einer endgültigen

> Verfassung für das Land teilhaben, welche alle Grundrechte der Bürger des

> Landes enthalten und so die Einheit des Irak und seine arabische Identität

> gewährleisten wird. Diese Verfassung wird 18 Monate nach Abzug der Invasoren

> zur Volksabstimmung durch ein Referendum vorgeschlagen werden.

>

> Die Beratende Versammlung und die Übergangsregierung werden unverzüglich

> handeln, um alle früher erlassenen Notstandsgesetze und Entscheidungen

> abzuschaffen.

>

> c) Nach Verabschiedung der endgültigen Verfassung tritt die gewählte

> Versammlung und die Beratende Versammlung zusammen, um den Präsidenten der

> Republik und den Vizepräsidenten für fünf Jahre zu wählen. Der Name des

> Präsidenten wird der Bevölkerung zur Entscheidung durch ein allgemeines

> Referendum vorgelegt, in dem der Kandidat 60% der abgegebenen Stimmen

> erhalten muss.

>

> d) Herstellung der politischen Freiheiten aufgrund eines besonderen Gesetzes

> zur Gewährleistung der Freiheit der Gründung von Parteien, Vereinen und

> zivilgesellschaftlichen Organisationen, der Freiheit der Herausgabe von

> Zeitungen und der Herstellung der Pressefreiheit unter Berücksichtigung

> patriotischer Kriterien, der Politik der persönlichen Eignung und Loyalität

> als Voraussetzung für eine Beschäftigung im öffentlichen Dienst und der

> Durchsetzung des Rechtsstaates sowie der Achtung des politischen Systems und

> der Institutionen.

>

> e) Schaffung eines Hohen Rates für Menschenrechte ("High Council for Human

> Rights"), dem Persönlichkeiten angehören werden, die für ihre Redlichkeit

> und nationale Loyalität bekannt sind. Dieser Rat wird weitgehende Befugnisse

> haben, um Ermittlungen anzustellen und jene zur Rechenschaft zu ziehen, die

> die Menschenrechte der Iraker und ihre Würde nicht respektieren. Der Rat

> wird seine Berichte und Entschließungen unmittelbar an den Präsidenten der

> Republik, den Premierminister und die Nationalversammlung richten, um somit

> im Geiste der Einheit zu handeln und die schlimmen auf konfessioneller

> Grundlage basierenden Praktiken zu verurteilen und das Prinzip der

> Gleichheit vor dem Gesetz zu wahren.

>

> f) Entwicklung des Autonomiegesetzes für Irakisch-Kurdistan, um die

> nationalen und kulturellen Rechte des kurdischen Gebiets im Rahmen eines

> einigen Irak und seiner Souveränität zu gewährleisten. Beratung darüber mit

> den kurdischen Kräften, die auf der unveränderlichen Grundlage der Flagge,

> der Souveränität, der auswärtigen Angelegenheiten und der nationalen

> Sicherheit des Irak stehen im Geiste des Dialogs und der Offenheit.

>

> Abschließend erweist der Vereinigte Nationale Rat des Irakischen Widerstands

> mit besonderem Stolz den heldenhaften Märtyrern des Irak seinen Ehrengruß

> und grüßt und ehrt auch die in den Besatzungsgefängnissen eingekerkerten

> Geiseln und Gefangenen…So Gott will wird der Tag des Sieges kommen, wie Gott

> verheißen hat, dass Wenige eine Übermacht besiegen werden, wenn Gott es

> will.

>

> Vereinigter Nationalrat der Irakischen Resistance (UNCIR)

>

> Politische Abteilung

>

>

>

> Übersetzung nach der inoffiziellen englischen Übersetzung von Behnam Keryo

> ("Al-Moharer") von Klaus von Raussendorff

>

>

>

> *****************************************************************

> [ 3 ]

>

> Auszug aus dem Aufruf zur Protestkundgebung anlässlich der "Machtübergabe"

> im Irak am Samstag, 10. Juli 2004, um 13 Uhr in München am Stachus;

> Kontakt: Claus Schreer, Telefon: 169519, Fax: 1689415

>

>

> DEUTSCHLAND WILL IM INTERNATIONALEN MACHTPOKER MITSPIELEN

>

> Außenminister Fischer appellierte bei seinem letzten Washington-Besuch an

> die US-Regierung, nach dem Folterskandal die "moralische Glaubwürdigkeit

> Amerikas" wieder herzustellen. Den Abzug der US-Truppen aus dem Irak

> verlangte er nicht, sondern versprach deutsche Hilfe im Weltsicherheitsrat,

> wenn dort die Scheinsouveränität des Irak abgesegnet werden soll. Die

> "Führungskraft Amerikas" sei auch künftig "unverzichtbar", denn – so

> schwärmte Fischer – die USA seien stets "ein Leuchtturm für Frieden und die

> Herrschaft des Rechts" gewesen (SZ, 12.05.2004).

>

> Wolfgang Schäuble, Vizechef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, zu den

> Folterungen: "Es ist ein Desaster – nicht nur für die Amerikaner, auch für

> uns" (SZ, 13.05.2004), und der damals noch nicht zum Bundespräsident gekürte

> Horst Köhler sagt einige Tage später, es komme jetzt darauf an, "im

> gemeinsamen Interesse nach vorne zu blicken" (SZ, 27.04. 2004).

>

> Bei dieser transatlantischen Debatte geht es weder um die Folteropfer selbst

> noch um echte Souveränität für den Irak. Der Abzug aller ausländischen

> Besatzungstruppen als notwendige Voraussetzung dazu, das findet in

> Deutschland in Politik und Medien ebenso wenig Befürworter wie in den USA.

>

> Die großen Zeitungen (von der FAZ über die SZ bis zur ZEIT) sparen zwar

> nicht mit Kritik an den USA und beklagen das "Irak-Desaster", doch die

> Botschaft lautet: "Was begonnen wurde, muss zu Ende gebracht werden ... auch

> wenn die Begründungen für den Krieg falsch waren – die Kriegsziele waren es

> nicht." (SZ, 20.03.2004). Welche Kriegsziele? Demokratie? Menschenrechte?

>

> Mit ausdrücklicher Genehmigung der Bundesregierung war Deutschland die

> zentrale Militärdrehscheibe im Krieg, für Waffen- und Truppentransporte in

> den Irak. Und heute stellt Deutschland die Infrastruktur für die

> Besatzungstruppen und die Heimatbasis für die Folterer. Für die Verhöre und

> die Folterungen im Irak ist der militärische Geheimdienst der US-Armee

> zuständig. In Abu-Ghraib war die 205. Brigade dieses Geheimdienstes

> eingesetzt, die auf der US-Airbase Wiesbaden-Erbenheim ihren Sitz hat.

>

> Ein NATO-Einsatz im Irak wird weder von der deutschen noch von der

> französischen Regierung ausgeschlossen, nur soll die NATO "nicht als Büttel

> der amerikanischen Besatzungsmacht" tätig werden.

> Bundesverteidigungsminister Struck hat schon mal verkündet: Die Bundeswehr

> sei viel erfahrener im Wiederaufbau als die US-Armee (SZ, 19.05.04). Der

> einzige Haken: Die Bundeswehr ist heute noch nicht soweit. Sie ist mit ihren

> Auslandseinsätzen in Afghanistan und auf dem Balkan derzeit voll

> ausgelastet. Deutschland, Frankreich, der EU geht es darum, die Übermacht

> der USA zu begrenzen, um selbst mehr Einfluss auf die wirtschaftliche und

> politische Entwicklung im Irak und dem Mittleren Osten zu bekommen. Nur

> darum – nicht um das Schicksal der irakischen Bevölkerung – wurde jetzt im

> Weltsicherheitsrat gepokert. Mit Zustimmung der Bundesregierung wurde jetzt

> im Weltsicherheitsrat die illegale Besatzungsherrschaft legitimiert, und die

> Vereinten Nationen zu einem Erfüllungsgehilfen der USA instrumentalisiert.

>

> ISRAELS BESATZUNGSTERROR

>

> Im Windschatten des "Krieges gegen den Terror" und mit Rückendeckung der

> US-Regierung intensiviert Israels Regierung die jahrzehntelange

> Vertreibungspolitik gegen die Palästinenser.

>

> Im Gazastreifen wurden allein in den letzten Wochen Hunderte von Häusern dem

> Erdboden gleich gemacht. Bei den s ogenannten "gezielten Tötungen" kommen

> viermal mehr Unbeteiligte ums Leben als angebliche "Terroristen".

>

> Den Menschen in den von der israelischen Armee besetzten Gebieten wird so

> das Leben zur Hölle gemacht. "Der Kampf gegen den Terrorismus rechtfertigt

> nicht die Außerachtlassung grundlegender Rechtsprinzipien. Gerade dadurch

> unterscheiden wir uns von Terroristen." Der Oberste Gerichtshof Israels hat

> diesen Rechtsgrundsatz formuliert, Ariel Sharon verstößt dagegen Tag für

> Tag.

>

> Die israelische Regierung kann ihre Unterdrückungs- und Vertreibungspolitik

> vor allem deshalb fortsetzen, weil die US-Regierung ihr den Rücken stärkt.

> Israel ist der bedeutendste Brückenkopf des Westens im Herzen der arabischen

> Region und neben der Türkei der wichtigste US-Verbündete für die

> strategischen Pläne einer Neuordnung des Nahen und Mittleren Ostens. Deshalb

> wird Israel seit Jahren massiv aufgerüstet und sein kolonialistisches

> Siedlungsprojekt mit jährlich 6 Milliarden US-Dollar subventioniert.

>

> US-Präsident Bush hat Mitte April Sharons so genannten "Gaza-Rückzugsplan"

> offiziell abgesegnet und damit alle Hoffnungen auf eine Lösung der

> Palästinafrage so gut wir zerstört. Der sog. Rückzugsplan Sharons ist in

> Wirklichkeit nicht mehr als eine taktische Frontbegradigung: Aufgabe der

> wenigen israelischen Siedlungen in Gaza, aber Ausdehnung, Weiterbau und

> Befestigung der Siedlungen im Westjordanland (= 2 % zu 98 %). Der

> Gazastreifen wird dann zum größten Internierungslager der Welt – eine

> überbevölkerte Enklave, rundum abgeriegelt und kontrolliert von der

> israelischen Armee.

>

> Frieden im Nahen Osten und damit Sicherheit für die Menschen sowohl in

> Israel als auch in Palästina kann es mit dieser Politik nicht geben.

>

> Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy sagte auf dem Weltsozialforum in

> Mumbai: "Wir müssen zum globalen Widerstand gegen die Besatzung werden."

> Fangen wir damit an – hierzulande.

>

> Besatzung und Krieg im Irak beenden!

>

>

>

> ***************************************************************

> [ 4 ]

>

> Nachstehender Auszug wurde mit Genehmigung des Herausgebers entnommen aus:

> isw-spezial 18 "Der Irak-Krieg und die Folgen ..." (Dezember 2003). Für eine

> Schutzgebühr von 2,50 EUR zzgl. Versand zu beziehen bei: isw e.V.,

> Johann-von-Werth-Straße 3, 80639 München; fon: 089/130041, fax: 089/1689415,

> email: isw_muenchen@t-online.de. Alle lieferbaren isw-publikationen unter:

> www.isw-muenchen.de

>

> DIE BETEILIGUNG DEUTSCHLANDS AM KRIEG GEGEN DEN IRAK

>

> "Deutschland wird sich nicht am Krieg gegen den Irak beteiligen", mit dieser

> Lüge hatte es Bundeskanzler Gerhard Schröder im September 2002 gerade noch

> einmal geschafft, die Bundestagswahlen zu gewinnen. Seine Anhänger feierten

> ihn als "Friedenskanzler".

>

> Doch im krassen Gegensatz zur öffentlich verkündeten Kriegsablehnung stand

> von Anfang an die praktische Unterstützung, die die Bundesregierung den USA

> und Großbritannien bei der Vorbereitung und der reibungslosen Durchführung

> des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen den Irak gewährte.

>

> Erstens als zentrale logistische Drehscheibe für die US-Kriegsmaschinerie,

> für die Truppen- und Kriegswaffentransporte in die Golfregion. Wohl wissend,

> dass die Vorbereitung und die Führung eines Angriffskrieges vom Grundgesetz

> (Artikel 26) verboten und ein Straftatbestand (§§ 80, 80a StGB) ist, wurde

> die Nutzung von Flughäfen und Militärstützpunkten erlaubt, wurden

> Überflugrechte für die US-amerikanischen und britischen Bombenflugzeuge

> erteilt.

>

> Zweitens mit Unterstützungsleistungen der Bundeswehr, insbesondere durch die

> deutschen Besatzungen in den fliegenden Feuerleitstellen, den

> AWACS-Maschinen, mit den Fuchs-Spürpanzern in Kuwait, dem Geleitschutz für

> US-Kriegstransporte durch die Bundesmarine und mit Tausenden

> Bundeswehrsoldaten, die zur Bewachung amerikanischer Militäreinrichtungen

> abgestellt wurden.

>

> Deutschland: logistische Drehscheibe für den Krieg

>

> Beim NATO-Gipfel am 21./22. November 2002 in Prag garantierte Bundeskanzler

> Schröder den USA noch einmal ausdrücklich die uneingeschränkte Nutzung ihrer

> Militärbasen und volle Bewegungsfreiheit. Begründete wurden diese

> Zusicherungen mit Bündnisverpflichtungen, die von Deutschland – ungeachtet

> aller Meinungsverschiedenheiten – auf jeden Fall eingehalten werden. Die USA

> erhielten also ganz offiziell grünes Licht, obwohl der Bundesregierung

> bekannt war, dass der US-amerikanische Kongress dem US-Präsidenten die

> Kriegsermächtigung – auch ohne UN-Mandat – erteilt hatte.

>

> Anfang Februar 2003 behauptete der Bundeskanzler zwar immer noch: "Eine

> direkte oder indirekte Beteiligung an einem Krieg wird es nicht geben",

> gleichzeitig garantierte er jedoch den Aggressoren uneingeschränkte

> Bewegungsfreiheit für ihre Angriffshandlungen auf dem Gebiet der

> Bundesrepublik. In einem 'Stern'-Interview wurde ihm die Frage gestellt:

> "Welche Konsequenzen hätte es für die deutsche Unterstützung, wenn die USA

> den Irak ohne UN-Mandat angriffen?". Schröder: "Die gegenwärtige Lage lässt

> keinen Raum für Spekulationen. Nur so viel: Es geht hier nicht um

> Juristerei, sondern um eine politische Entscheidung. Ich habe immer erklärt,

> dass wir die Bewegungsfreiheit unserer Verbündeten nicht einschränken

> werden. Das bezieht sich auf die USA ebenso wie auf Großbritannien." (Stern,

> 8/2003 vom 12.2.03)

>

> Am 17. Februar 2002 stimmte die Bundesregierung auf einer Sondertagung der

> EU-Regierungschefs einer gemeinsamen Erklärung zu, in der der Krieg "als

> letztes Mittel" gebilligt wurde. Der "Krieg" sei zwar "nicht unvermeidlich",

> erklärte der Europäische Rat in seinem Beschluss, "die Inspektionen können

> jedoch nicht unbegrenzt fortgesetzt werden."

>

> Die US-Militärstützpunkte in Deutschland waren ganz wesentlicher Bestandteil

> der militärischen Infrastruktur bei der Kriegführung gegen den Irak. Von den

> über 70.000 in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten erhielten

> im Februar und März Tausende den Marschbefehl in Richtung Golf. Wichtiges

> Kriegsmaterial, aber auch die 1. Panzerdivision der US-Army wurden z.B. über

> Vielseck (Bayern) und vor allem aus US-Kasernen aus Baden-Württemberg,

> Hessen und Rheinland-Pfalz nach Bremerhaven transportiert und dort

> verschifft. Ebenso die 1. Panderdivision der Briten, die hier stationiert

> ist. Aus dem Militärstützpunkt Wiesbaden folgte die 1. Division samt einem

> Versorgungskommando. Ein großer Teil des V. Korps, das 40.000 Soldaten

> umfasst und sein Hauptquartier in Heidelberg hat, wurde zum Aufbau der

> Nordfront in die Golfregion geschickt. Aus Mannheim wurde z.B. eine

> Hubschrauberstaffel und eine Feldjägerbrigade nach Kuwait befehligt.

>

> Die US-Airbase Ramstein ist der größte Stützpunkt der US-Luftwaffe außerhalb

> den USA. Von hier aus wurde schon die Luftversorgung der Soldaten für die

> Kriege auf dem Balkan und in Afghanistan organisiert. Die 86. Airlift Wing

> (AW) Germany hat laut Brigadegeneral Erwin F. Lessel die Aufgabe

> "Luftbrücken zu bauen für den Transport von Menschen und Material, Hilfs-

> und Nachschubgüter aus der Luft abzuwerfen und Soldaten im Notfall zu

> evakuieren". Ramstein ist der größte Umschlagplatz der US-Luftwaffe in

> Europa und damit die zentrale Drehscheibe für den Krieg. Hier landeten und

> starteten die dickbäuchigen C-130 HERCULES und die gigantischen C-5 GALAXY.

> US-Logistiker, Ladeexperten und Piloten sorgten dafür, dass das aus den USA

> eingeflogene Kriegsgerät umgeladen und zu den Truppen am Golf ausgeflogen

> wurde. Auch Kriegsverbündete wie Großbritannien konnten diese US-Airbase für

> ihre Einsätze benutzen. Ganz in der Nähe befinden sich das

> US-Militärkrankenhaus Landstuhl und der Militärstützpunkt Baumholder, wo

> 8.000 US-Soldaten stationiert sind. Diese Base diente ebenfalls – wie schon

> im Afghanistan-Krieg – als Luftbrücke ins Kriegsgebiet.

>

> Weiterhin spielt die US-Airbase Spangdahlem in der Eifel eine wichtige

> militärische Rolle. Der Standort soll bis 2005 so ausgebaut werden, dass er

> die Rhein-Main-Airbase ersetzen kann. In Spangdahlem gibt es bereits 92

> Flugzeugbunker und 70 Munitionsbunker. Von hier aus startet auch der

> berüchtigte Tarnkappenbomber F-117-A. Im Oktober 2002 meldete die Presse:

> "Die USA haben vier Tarnkappenbomber vom Typ Night Hawk von New Mexico auf

> den Stützpunkt Spangdahlem (Rheinland-Pfalz) verlegt. Derzeit werden nach

> Air Force-Angabe Starts und Landungen geübt. Die Bomber (Stückpreis: 100

> Millionen US-Dollar) hatten im Golfkrieg 1991 mit ihren lasergesteuerten

> Raketen 40 Prozent aller Ziele im Irak getroffen." (Bild-Zeitung,

> 16.10.2002) Auf dem Militärflughafen sind 5.000 Soldaten stationiert, mit

> drei Kampfschwadronen und einer Kontrollschwadron. Das hier stationierte 52.

> Jagdgeschwader der US-Army wurde zu Beginn des Jahres 2003 in die Golfregion

> verlegt.

>

> Maßgeblich beteiligt am Truppentransport in die Golfregion war auch die

> Rhein-Main-Airbase in Frankfurt, die zweite große Drehscheibe der

> US-Airforce. Hier sind die mächtigen Tankflugzeuge KC-135 Stratotanker

> stationiert, die Kampfjets und Transportflugzeuge in der Luft betanken. Hier

> starteten pausenlos Maschinen direkt an die Kriegsfront – beladen mit

> Bomben, Kriegsgerät und Soldaten. Auf dem Rückflug brachten sie verwundete

> Soldaten zurück, die in Wiesbaden oder Landstuhl in US-Krankenhäusern

> behandelt wurden.

>

> Die Bundesregierung hatte den Aggressorstaaten pauschale Überflugrechte über

> deutsches Territorium gewährt. Ebenso wie in Ramstein, konnten auf der

> Airbase Frankfurt amerikanische Militärtransporter (Galaxy und Globemaster)

> ihren Zwischenstopp auf dem Weg in die Kriegsregion einlegen. Überflogen

> wurde die Bundesrepublik, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums in

> Berlin bestätigte, auch von den aus Großbritannien kommenden US-Bombern des

> Typs B-52, die auf diese Weise den Irak auf direktem Wege anfliegen und dort

> ihre Tod und Verwüstung bringende Last abwerfen konnten. Die amerikanischen

> und britischen Flugzeuge wurden nach den Angaben des Sprechers wie

> Zivilmaschinen über den deutschen Luftraum "durchkoordiniert".

>

> Seit Anfang Februar 2003 wurden ganze Divisionen, Corps und andere

> Bataillone von den verschiedenen Militärbasen in Deutschland, wie Ansbach,

> Gießen-Friedberg, Bad Kreuznach, Bamberg, Darmstadt, Büdingen, Hanau,

> Illesheim, Kitzingen, Schweinfurt, usw. an den Golf verlagert.

>

> Grafenwöhr (Oberpfalz), der größte US-Truppenübungsplatz in Europa, diente

> bereits beim Golfkrieg 1991 als wichtigstes US-Trainingslager. Anfang des

> Jahres fand dort als direkte Kriegsvorbereitung das virtuelle Manöver

> "Victory Scrimmage" statt: 1.000 US-Offiziere übten einen

> Computer-simulierten Angriff auf den Irak. Zusätzlich wurde auf dem riesigen

> Gelände ein Hightech-Manöver durchgeführt. Tausende US-Ranger und Marines

> wurden hier trainiert und dann in den Irak verschickt. Für die

> Vorbereitungen auf den Häuserkampf wurden zivile Statisten aus Grafenwöhr

> angeheuert.

>

> Über den Ausgang Vielseck wurden hunderte von Kettenfahrzeugen, schweres

> Kriegsgerät, LKW und Bulldozer sowie Waffen und Munition aus dem

> Truppenübungsplatz Grafenwöhr an die Irak-Front verladen.

>

> Demnächst sollen in Grafenwöhr alle in Deutschland befindlichen

> US-Spezialeinheiten zu einer weltweit agierenden "Schnellen Eingreiftruppe"

> zusammengelegt werden. Der 21.000 Hektar große Truppenübungsplatz soll für

> rund 3.000 zusätzliche US-Soldaten und 5.500 Familienangehörige ausgebaut

> werden. Für den Ausbau der neuen Infrastruktur auf dem Militärgelände hat

> das Pentagon 650 Millionen Euro vorgesehen.

>

> In Geilenkirchen befindet sich die AWACS-Base. Sie ist seit 1982 die

> Kommandozentrale der NATO-AWACS-Maschinen, die im Irak-Krieg zum Einsatz

> kamen. An diesem Standort, in der Nähe von Aachen, sind 3.000 Soldaten und

> Zivilangestellte untergebracht. Die AWACS-Aufklärungsflugzeuge werden zur

> "Kommunikationsunterstützung bei Luftoperationen" und zur "Luftunterstützung

> für Bodentruppen" – überwiegend für die US-amerikanische Kriegsführung –

> eingesetzt.

>

> Eine der bedeutendsten US-Militäreinrichtungen in Europa ist das EUCOM in

> Stuttgart-Vaihingen. Ein "virtueller Feldherrnhügel für die halbe Welt", wie

> die 'taz' titelte (13.1.2003). Das EUCOM (European Command), die europäische

> Kommandozentrale der US-Streitkräfte in Europa, ist keine NATO-Einrichtung,

> sondern untersteht direkt dem Pentagon und dem amerikanischen Präsidenten.

> Das EUCOM ist nicht nur zuständig für ganz Europa, sondern auch für Afrika,

> Russland, die ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien sowie für Israel,

> Syrien und Libanon. Alle US-Militäroperationen in diesen Ländern werden

> nicht etwa in den Vereinigten Staaten, sondern von Stuttgart aus

> koordiniert. Das EUCOM ist zugleich die Kommandozentrale für den (Erst-)

> Einsatz der in Europa und Deutschland stationierten US-amerikanischen

> Atomwaffen. Etwa 1.200 Offiziere aller Waffengattungen arbeiten dort. Vom

> EUCOM wurde die Bombardierung Libyens (1986), des Irak (1991) und

> Jugoslawiens (1999) befehligt, ebenso wie die Operation "Northern Watch",

> die Kontrollflüge und Bombardements im Norden und Süden des Irak. (Diese

> beiden Flugverbotszonen waren eigenmächtig – ohne Mandat der UNO – von den

> USA, Großbritannien und Frankreich 1991 gegen den Irak verhängt worden).

>

> "Deutschland bleibt wichtigster US-Standort", titelte die Süddeutsche

> Zeitung am 27. November 2003. Nach den Plänen der US-Regierung sollen 80

> Prozent der 70.000 US-Soldaten weiterhin in Deutschland stationiert bleiben.

> "Ausschlaggebend für die Entscheidung Washingtons" sei gewesen, dass "die in

> in Deutschland stationierten Einheiten fast ausnahmslos im Irak eingesetzt"

> werden und die Truppen und ihre Familien keinen zusätzlichen Belastungen

> ausgesetzt werden sollen. "Deutschland habe sich als zuverlässiger

> Bündnispartner erwiesen. Berlin habe keine Überflugrechte verweigert, die

> Standorte nicht reglementiert und die Kasernen zusätzlich bewacht", zitiert

> die SZ das Weiße Haus.

>

> Die direkte und indirekte Beteiligung der Bundeswehr am Krieg

>

> Militärhilfe für die Türkei

>

> Die Bundesregierung hat einem Beschluss der NATO zur militärischen

> Unterstützung der Türkei zugestimmt, der – so die offizielle Begründung –

> die Türkei vor einem drohenden Angriff des Irak schützen sollte und als

> Beistandsverpflichtung nach Art. V des NATO-Vertrages deklariert wurde.

>

> Die Türkei war jedoch vom Irak in keiner Weise bedroht, sondern: Erklärte

> Absicht der türkischen Regierung war es von Anfang an, gemeinsam mit den

> US-Streitkräften in die kurdischen Gebiete des Nord-Irak einzumarschieren.

> Gleichzeitig war die Türkei von der US-Regierung als Aufmarschgebiet für

> 60.000 US-Soldaten und als Versorgungsbasis für die US-Truppen vorgesehen,

> die den Irak vom Norden her angreifen sollten. Diese Planung scheiterte

> schließlich am Mehrheitsvotum der Abgeordneten im türkischen Parlament. Die

> USArmee erhielt jedoch die Erlaubnis, den türkischen Luftraum für den

> Einsatz von Marschflugkörpern gegen den Irak zu nutzen. Damit war die Türkei

> eingebunden in die Kriegsoperationen der USAggressoren.

>

> Die Bundesregierung hatte die Entsendung von ABC-Spezialeinheiten der

> Bundeswehr, die Lieferung von Patriot-Luftabwehrraketen und die deutsche

> Beteiligung an den AWACS-Einsätzen an der Grenze zwischen der Türkei und dem

> Irak zugesagt. Ohne großes Aufsehen wurden die Patriot-Raketen – aus

> kosmetischen Gründen über die Niederlande – in die Türkei verschifft.

>

> AWACS-Einsätze

>

> Die NATO-AWACS-"Aufklärungsflugzeuge", deren Besatzung zu einem Drittel von

> der Bundeswehr gestellt werden, sind – anders, als der Name sagt – fliegende

> Gefechtsstände! Im Radius von 400 km ermöglichen sie eine genaue Zielplanung

> für elektronisch gesteuerte Waffensysteme. Sie können sowohl zur Abwehr

> feindlicher Flugkörper, aber ebenso für die Zielsteuerung eigener

> Raketenangriffe genutzt werden.

>

> Die AWACS-Einsätze führten zu einem parlamentarischen Scheingefecht. Die FDP

> forderte eine Entscheidung des Bundestages – nicht etwa, um eine Beteiligung

> der Bundeswehr zu verhindern, sondern ausdrücklich, um eine

> Bundestagszustimmung durchzusetzen, die mit den Stimmen der CDU/CSU und der

> FDP auf jeden Fall sicher war.

>

> Das AWACS-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1994 verlangt für den

> Einsatz der Bundeswehr außerhalb des Bündnisgebiets die vorherige Zustimmung

> des Bundestages. Die Bundesregierung behauptete jedoch, dass die AWACS-Flüge

> an der irakisch-türkischen Grenze nichts mit dem bevorstehenden

> amerikanisch-britischen Angriffskrieg zu tun hätten, sondern lediglich dem

> Schutz eines NATO-Bündnispartners dienen würden. Die 'Frankfurter Allgemeine

> Zeitung' gab dazu den bissigen Kommentar: "Dass Fernaufklärer, die hart an

> der irakischen Grenze entlang fliegen, ihre Antennen nur auf den Boden unter

> sich richten, wird wohl niemand annehmen." (FAZ, 18.3.2003)

>

> Fuchs-Spürpanzer

>

> Kriegsunterstützung waren auch die in Kuwait stationierten ABC-Abwehrkräfte

> der Bundeswehr mit ihren sechs Fuchs-Spürpanzern. Sie wurden trotz der von

> den USA offen verkündeten Angriffspläne nicht aus Kuwait abgezogen, sondern

> zu Beginn des Krieges um weitere 100 Bundeswehrsoldaten verstärkt.

>

> Bundesmarine

>

> Ebenfalls beteiligt am Krieg war die Bundesmarine am Horn von Afrika. Sie

> gaben den US-amerikanischen Seetransportern Geleitschutz auf dem Weg in den

> persischen Golf.

>

> Der ARD-Weltspiegel begleitete die Fregatte der deutschen Marine

> "Mecklenburg-Vorpommern" bei ihrem Einsatz im Rahmen von "Enduring Freedom"

> am südlichen Ausgang des Roten Meeres. Am 9. März 2003 berichtete das

> ARD-Team über den deutschen Geleitschutz für das Transportschiff "Gordon"

> der US-Navy. Bei der "Gordon" handelt es sich nach Informationen der FAS

> (Federation of American Scientists) um ein ca. 290 Meter langes

> Roll-on/Roll-off-Transportschiff, das u.a. 58 Panzer und über 900 Lastwagen

> sowie Ausrüstung zur Unterstützung von Kampfaufträgen transportieren kann.

> Damit ist die "Gordon" eines von 19 sog. LMSR (large, medium-speed, roll-on/

> roll-off ships) die nach den Erfahrungen des vorausgegangenen Golfkrieges

> (1991) zur Verbesserung der Seetransportkapazität um- oder neu gebaut wurden

> und selbst unbewaffnet sind. Der militärische Geleitschutz für unbewaffnete

> Kriegstransportschiffe wie die "Gordon" dürfte für die US-Navy eine höchst

> willkommene Unterstützung gewesen sein und die Eskorte durch die

> "Mecklenburg-Vorpommern" war mit Sicherheit nicht die einzige.

>

> Auf der Homepage des ARD-Weltspiegels heißt es: "Die Kriegsschiffe des

> internationalen Verbandes im Seegebiet vor dem Horn von Afrika werden in den

> letzten Wochen immer mehr für solche Geleite eingesetzt. Die Wasserstraße

> gehört zu den am dichtesten befahrenen der Welt. Durch sie läuft ein großer

> Teil des Nachschubes für den Aufmarsch gegen den Irak. Die Grenzen zwischen

> dem Anti-Terroreinsatz und dem Aufmarsch gegen den Irak sind jedenfalls in

> der Vorbereitungsphase fließender geworden." So hatten die USA z.B. im März

> als verstärkten Begleitschutz für ihre Kriegsschiffe auf dem Weg zum Golf

> Raketen-Schnellboote der Bundeswehr für das Mittelmeer angefordert. Promt

> sagte die Bundesregierung zu, einen solchen Einsatz zu prüfen. (vgl. HB,

> 31.3.03)

>

> Wacheschieben für die US-Armee

>

> Kurz vor dem Krieg übernahm die Bundeswehr die Bewachung von 62 US-Kasernen

> (laut Bundesverteidigungsministerium. HB, 31.3.2003) und anderen

> Militäreinrichtungen der USA auf deutschem Boden. Die dafür eingesetzten ca.

> 3.700 Bundeswehrsoldaten waren – obwohl nicht im direkten Kriegseinsatz –

> eine willkommene Entlastungsaktion für die US-Truppen. Die dadurch in

> Deutschland nicht benötigten GIs konnten jetzt an die Front im Irak verlegt

> werden.

>

> ****************************************************************

> [ 5 ]

>

> Nachstehender Auszug wurde mit Genehmigung des Herausgebers entnommen aus:

> isw-spezial 18 "Der Irak-Krieg und die Folgen ..." (Dezember 2003). Für eine

> Schutzgebühr von 2,50 EUR zzgl. Versand zu beziehen bei: isw e.V.,

> Johann-von-Werth-Straße 3, 80639 München; fon: 089/130041, fax: 089/1689415,

> email: isw_muenchen@t-online.de. Alle lieferbaren isw-publikationen unter:

> www.isw-muenchen.de

>

> VÖLKERRECHTS- UND VERFASSUNGSBRUCH

> DURCH DIE BUNDESREGIERUNG

>

> Die Bundesregierung hat mit ihren Unterstützungsleistungen für die

> US-amerikanischen und britischen Truppen im Krieg gegen den Irak die

> Verfassung der Bundesrepublik Deutschland gleich mehrfach gebrochen. Der

> Krieg gegen den Irak, den die USA gemeinsam mit Großbritannien geführt

> haben, ist der klassische Fall eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges.

> "Völkerrechtswidrig handelt danach aber nicht nur der Aggressor selbst,

> sondern auch derjenige Staat, der einem Aggressor hilft, etwa indem er auf

> seinem Hoheitsgebiet dessen kriegsrelevante Aktionen duldet oder gar

> unterstützt." (Dieter Deiseroth, a.a.O.)

>

> 1. Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes lautet: "Handlungen, die geeignet

> sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der

> Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges

> vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu

> stellen."Ginge es nach Recht und Gesetz, müssten diejenigen, die einen

> Angriffskrieg vorbereiten, also strafrechtlich verfolgt werden. Paragraph 80

> des Strafgesetzbuches lautet: "Wer einen Angriffskrieg, an dem die

> Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die

> Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird

> mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn

> Jahren bestraft." Das Verbot der Vorbereitung eines Angriffskrieges schließt

> naturgemäß die Führung eines Angriffskrieges selbst und die Beteiligung

> daran ein.

>

> 2. Im "Zwei plus Vier"-Vertrag (vom 12.9.1990), mit dem die Siegermächte

> über Hitler-Deutschland der Vereinigung der beiden deutschen Staaten

> zugestimmt haben, steht in Artikel 2 die völkerrechtliche Verpflichtung:

> "Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen

> Demokratischen Republik bekräftigen ihre Erklärungen, dass von deutschem

> Boden nur Frieden ausgehen wird."

>

> 3. Die Bundesrepublik Deutschland ist laut Verfassung gleichzeitig an die

> Normen des Völkerrechts gebunden, also an das nach der UN-Charta

> verbindliche Verbot der Anwendung von Gewalt gegen einen anderen Staat.

> Artikel 25 des Grundgesetzes lautet: "Die allgemeinen Regeln des

> Völkerrechtes sind Bestandteil des Bundesrechtes. Sie gehen den Gesetzen vor

> und erzeugen Rechte und Pflichten unmittelbar für die Bewohner des

> Bundesgebietes". Eine völkerrechtswidrige "Aggression" ist nach der am 14.

> Dezember 1974 beinahe einstimmig beschlossenen Resolution der

> UN-Generalversammlung die Erstanwendung von Waffengewalt durch einen Staat

> gegen die Souveränität, die territoriale Unversehrtheit eines anderen

> Staates. Eine Aggressionshandlung ist (wie in Art. 3 der Resolution 1/3314

> festgelegt ist) auch die "Handlung eines Staates, die in seiner Duldung

> besteht, dass sein Hoheitsgebiet, das er einem anderen Staat zur Verfügung

> gestellt hat, von diesem anderen Staat dazu benutzt wird, eine

> Angriffshandlung gegen einen dritten Staat zu begehen". Artikel 25 des

> Grundgesetzes verbietet somit auch jede indirekte Beteiligung, etwa

> logistische oder finanzielle Unterstützung eines Aggressors gegen einen

> Drittstaat.

>

> 4. Das Verbot der Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges gilt

> insbesondere für die Bundeswehr, deren Aufgabe nach dem Grundgesetz

> ausschließlich die Landesverteidigung ist. Eindeutig steht in Art. 87a, Abs.

> 1 des Grundgesetzes: "Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf."

> Und nach Art. 115a, Abs. 1 des Grundgesetzes liegt der "Verteidigungsfall"

> vor, wenn "das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird, oder ein

> solcher Angriff unmittelbar droht". Auch der nach Art. 87a, Abs.2, 3 und 4

> "zulässige" Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist an den "Verteidigungsfall"

> bzw. an eine "drohende Gefahr für die freiheitlich demokratische

> Grundordnung" gekoppelt.

>

> Um eine Grundgesetzänderung zu umgehen, was mit Sicherheit eine wohl nicht

> erwünschte öffentliche Debatte auslösen würde und äußerst riskant wäre,

> beruft sich die Bundesregierung heute (beispielsweise in den neuen

> 'Verteidigungspolitischen Richtlinien', Ziffer 5) auf ein höchst

> umstrittenes Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1994. Das Gericht

> hatte am 12. Juli 1994 – unter Hinweis auf Artikel 24, Abs. 2 des

> Grundgesetzes – die AWACS-, Adria- und Somalia-Einsätze der Bundeswehr

> gebilligt.

>

> Artikel 24, Abs. 2 GG lautet: "Der Bund kann sich zur Wahrung des Friedens

> einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen; er wird hierbei

> in die Beschränkungen seiner Hoheitsrechte einwilligen, die eine friedliche

> und dauerhafte Ordnung in Europa und zwischen den Völkern der Welt

> herbeiführen und sichern". Das Bundesverfassungsgericht bewertete damals

> Militärbündnisse wie die NATO als "System kollektiver Sicherheit" und

> Kriegseinsätze, die der UN-Charta und selbst dem NATO-Vertrag widersprechen,

> als Maßnahmen "zur Wahrung des Friedens". Das Gericht interpretierte den

> Artikel als Ermächtigungsgrundlage für Auslandseinsätze der Bundeswehr –

> obwohl darin die "Streitkräfte" und eine "ausdrückliche Zulassung" ihres

> Einsatzes mit keinem Wort erwähnt sind. Dies ist aber nach Artikel 87a des

> Grundgesetzes explizit vorgeschrieben: "Außer zur Verteidigung dürfen

> Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es

> ausdrücklich zulässt." (Art. 87a, GG)

>

> Die angeblichen Bündnisverpflichtungen Deutschlands

>

> Selbst der NATO-Vertrag verbietet jeden Aggressionskrieg. Ein NATO-Staat,

> der eine Aggression plant und ausführt, verstößt nicht nur gegen die

> UN-Charta, sondern zugleich auch gegen Artikel 1 des "Nordatlantikvertrags".

> Darin haben sich alle NATO-Staaten verpflichtet, "in Übereinstimmung mit der

> Satzung der Vereinten Nationen jeden internationalen Streitfall, an dem sie

> beteiligt sind, auf friedlichem Wege so zu regeln, dass der internationale

> Friede, die Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden und sich

> in ihren internationalen Beziehungen jeder Gewaltandrohung oder

> Gewaltanwendung zu enthalten, die mit den Zielen der Vereinten Nationen

> nicht vereinbar ist."

>

> "Das heißt, ein nach Art. 51 der UN-Charta nicht gerechtfertigter

> "Präventivkrieg" kann auch niemals einen "NATO-Bündnisfall" nach Art. 5 des

> NATO-Vertrages auslösen und rechtfertigen. Was gegen die UN-Charta verstößt,

> kann und darf die NATO nicht beschließen und durchführen, auch nicht auf

> Wunsch oder auf Druck einer verbündeten Regierung. Ein Angriffskrieg wird

> nicht durch die Ausrufung des NATO-Bündnisfalles zum Verteidigungskrieg."

> (Dieter Deiseroth, a.a.O.)

>

> Auch Artikel 5 des NATO-Vertrages regelt die Beistandspflicht nur für den

> Verteidigungsfall. Er verpflichtet die Mitgliedsstaaten zum militärischen

> Beistand "im Falle eines bewaffneten Angriffs" gegen eine oder mehrere

> Vertragsparteien. Diese Voraussetzung für den "Bündnisfall" lag weder für

> den Afghanistan-Krieg noch im Falle des Irak vor.

>

> Artikel 5 des NATO-Vertrags

>

> "Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder

> mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle

> angesehen werden wird; sie vereinbaren daher, dass im Falle eines solchen

> bewaffneten Angriffs jede von ihnen in Ausübung des in Artikel 51 der

> Satzung der Vereinten Nationen anerkannten Rechts der individuellen oder

> kollektiven Selbstverteidigung der Partei oder den Parteien, die angegriffen

> werden, Beistand leisten."

>

> Das NATO-Truppen-Statut

>

> Nach der Neufassung des Zusatzabkommens zum NATO-Truppen-Statut von 1994

> (ZA-NTS 1994) – als Folge der Aufhebung des Besatzungsregimes für

> Deutschland – brauchen die im Bundesgebiet stationierten US-Streitkräfte

> grundsätzlich jeweils die Genehmigung durch die deutsche Bundesregierung,

> wenn sie mit Land-, Wasser- oder Luftfahrzeugen in die Bundesrepublik

> "einreisen oder sich in und über dem Bundesgebiet bewegen" wollen (Art. 57

> Abs. 1 Satz 1 ZA-NTS 1994).

>

> Lediglich Militärtransporte und Truppenbewegungen von NATO-Kontingenten mit

> Aufgaben im Rahmen und im Auftrag der NATO "gelten als genehmigt". Das

> gleiche gilt für die in Deutschland gelegenen US-Stützpunkte. In diesen

> Liegenschaften dürfen die US-Streitkräfte nach Art. 53 Abs 1 ZA-NTS "die zur

> Erfüllung ihrer Verteidigungspflichten erforderlichen Maßnahmen treffen".

> Nach Abs. 2 der Vorschrift gilt dies "entsprechend für Maßnahmen im Luftraum

> über den Liegenschaften".

>

> Bundestagsgutachten: Souverän in vollem Umfang

>

> Im Fall eines Alleingangs gegen den Irak sind die USA nicht berechtigt, ihre

> Militärbasen in Deutschland sowie den deutschen Luftraum ohne ausdrückliche

> Genehmigung der Bundesregierung zu nutzen. Zu diesem Ergebnis kam ein

> bereits am 18. Dezember 2002 abgeschlossenes Gutachten von RD Kramer,

> Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages.

>

> " ... Durch den 'Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf

> Deutschland' vom 12.9.1990 (Zwei-plus-Vier-Vertrag) wurde nicht nur die

> deutsche Wiedervereinigung ermöglicht, sondern auch das Besatzungsrecht

> vollständig abgelöst und damit die deutsche Souveränität in vollem Umfange

> wieder hergestellt. Ausdruck dieser Souveränität war u.a. die am 29.3.1998

> in Kraft getretene Änderung des Zusatzabkommens zum Truppenstatut, nach der

> 'Manöver und andere Übungen im Luftraum der Bundesrepublik' nunmehr der

> Zustimmung deutscher militärischer Behörden unterliegen bzw. inter

> nationalen Gepflogenheiten folgend, im Verkehrsrecht der ausländischen

> Streitkräfte das Erfordernis der Genehmigung der Bundesregierung beim

> Überschreiten der nationalen Grenzen eingeführt wurde."

>

> Truppen der Vertragsparteien sind "... vorbehaltlich der Genehmigung der

> Bundesregierung berechtigt, mit Land-, Wasser- und Luftfahrzeugen in die

> Bundesrepublik einzureisen oder sich in und über dem Bundesgebiet zu

> bewegen."

>

> "Fazit: NATO-Truppenstatut sowie Zusatzabkommen zum Truppenstatut sind im

> Zusammenhang mit dem Nordatlantikvertrag zu berücksichtigen. Liegen die

> Voraussetzungen des Bündnisfalls, wie bei einer präventiven militärischen

> Maßnahme, nicht vor, kann aus dem Truppenstatut sowie dem Zusatzabkommen für

> die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika keine Berechtigung

> folgen, eigenständig präventive Angriffshandlungen über das Territorium der

> Bundesrepublik Deutschland zu führen. Eine derartige Berechtigung kann sich

> auch für das in Artikel 57 Abs. 1 Zusatzabkommen enthaltene Verkehrsrecht

> der ausländischen Streitkräfte bei einer Sinn und Zweck des Zusatzabkommens

> entsprechenden Auslegung nicht ergeben." (Der volle Wortlaut des Gutachtens

> in: junge welt, 1./2.12.2003. www.jungewelt.de)

>

> Nachdem der Krieg gegen den Irak eine rein US-nationale Entscheidung war –

> nicht nur völkerrechtswidrig, sondern auch ein Verstoß gegen den

> NATO-Vertrag – gab es keinerlei Beistandsverpflichtung, weder für die

> eigenen militärischen Unterstützungsleistungen, weder für die Duldung der

> Nutzung der militärischen Infrastruktur in Deutschland, noch für die

> Genehmigung von Militärtransporten und von Überflugrechten. Im Gegenteil:

> Die Bundesregierung hätte all das untersagen und jede eigene Hilfsleistung

> verweigern müssen.

>

>

>

>

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> [ 6 ]

>

> Mit Genehmigung des Verlags aus Ossietzky 13/04 vom 26. Juni 2004

> (Ossietzky erschein zweiwöchentlich. Redaktion: Eckart Spoo

> Einzelpreis: 2,50 Euro; Jahresabo: 52,- Euro (Ausland 84,- Euro) für 25

> Hefte frei Haus. Abo-Service: Tel.: +49 (0) 511 87654847 Fax: +49 (0) 511

> 87654849; Email: ossietzky@interdruck.net; www.sopos.org/ossietzky und

> www.linksnet.de)

>

>

> IRAKISCHE SOUVERÄNITÄT

>

> Von Kilian Stein

>

>

> Der UN-Sicherheitsrat hat mit seiner Resolution 1546 dem Okkupationsregime,

> das, wie sich der deutsche Außenminister Fischer ausdrückt, das Machtvakuum

> im Irak ausfüllt, eine Legitimation verschafft und die von den Vereinigten

> Staaten eingesetzte Regierung als souveräne Übergangsregierung anerkannt. Er

> hat einem Regime nach dem Muster Diem oder Ky in Südvietnam oder Petain in

> Frankreich das Prädikat souverän verliehen. Konsequent unterstellt die

> Resolution, daß mit der Machtübertragung an die Übergangsregierung am 30.

> Juni das Besatzungsregime ende und der Irak seine volle Souveränität

> wiedererlange.

>

> Zugleich schränkt der Sicherheitsrat selber die Souveränität der

> Übergangsregierung ein. Ihr wird untersagt, Maßnahmen zu ergreifen, die das

> Schicksal des Irak über die begrenzte Übergangszeit hinaus berühren. Die

> strategischen sozialökonomischen Entscheidungen der US-Verwaltung, die den

> Übergang des Irak in eine – um es deutlich zu sagen – Sonderwirtschaftszone

> des Imperialismus regeln, werden nicht erwähnt, obwohl sie einen eklatanten

> Bruch der Haager Landkriegsordnung darstellen.

>

> Aus der schlicht unterstellten nationalen Souveränität des Irak zieht der

> Sicherheitsrat rigoros politische und juristische Schlußfolgerungen.

>

> Er stellt erstens fest, dass die multinationalen Streitkräfte auf Wunsch der

> souveränen irakischen Übergangsregierung im Land seien. Er nutzt also eine

> von ihm vorgespiegelte Souveränität der Übergangsregierung, um diese im

> Handumdrehen umzumünzen in die Legalisierung und Legitimierung eines

> Besatzungsregimes, das durch eine Verletzung des Aggressionsverbotes der

> Charta der Vereinigten Nationen zustande gekommen ist.

>

> Diese Berufung auf den Willen der Übergangsregierung erinnert an die

> Einladung der Regierung der CSSR an sowjetische und verbündete Truppen im

> Jahr 1968. Nur, den Segen des Sicherheitsrates hat die Sowjetunion damals

> nicht erhalten. Der blieb auch den USA versagt, als sie ebenfalls unter dem

> Vorwand, gerufen zu sein, 1983 auf Grenada landeten, um eine ihnen nicht

> genehme soziale Entwicklung abzubrechen. Heute gibt sich der Sicherheitsrat

> für dergleichen her.

>

> Zweitens beschließt der Sicherheitsrat, die US-geführte multinationale

> Truppe sei befugt, alles zu tun, was zur Herstellung der Sicherheit und

> Stabilität des Irak nötig sei. Das hat eine Konsequenz, die in der

> Resolution nicht ausdrücklich genannt wird, sich aber zwingend aus ihr

> ergibt: Der Sicherheitsrat erklärt mit dieser Ermächtigung der Okkupanten

> die Gegenwehr für völker- und staatsrechtlich illegal. Er setzt sich damit

> in Widerspruch zu Resolutionen der UN-Vollversammlung, in denen das Recht

> zum bewaffneten Kampf gegen koloniale und fremde Herrschaft anerkannt und

> den Guerilla-Kämpfern der Kombattanten- und Kriegsgefangenenstatus

> zugesprochen wurde. Dieser wird jetzt mit Zustimmung der UNO dem irakischen

> Widerstand verweigert. Die Vorschläge Brasiliens, Chiles und Spaniens,

> spezifische völkerrechtliche Verpflichtungen der Genfer Konvention zum

> Schutz der Zivilbevölkerung und der Kriegsgefangenen in den Beschlußteil der

> Resolution aufzunehmen, wurden von den USA und Großbritannien blockiert.

> Amnesty International hat das bereits kritisiert.

>

> Nach alledem verwundert es nicht, daß der Sicherheitsrat die Greuel im

> Gefängnis Abu Ghraib nicht erwähnt und es auch nicht für nötig hält, die

> weiterhin angewandte, durch Dienstvorschriften geregelte und

> selbstverständlich von Präsident Bush gebilligte Folterpraxis im Irak zu

> benennen, zu kritisieren und ihr Ende zu fordern. Das wäre aber um so

> nötiger gewesen, als es in den USA immer mehr Stimmen gibt, die das

> sogenannte humanitäre Kriegsrecht und das absolute Verbot der Folter für

> überholt erklären.

>

> Ein Drittes noch. Die Resolution legitimiert die Aufstellung von

> Sicherheitskräften und unterstellt sie der Marionettenregierung, letztlich

> also den Okkupanten selbst. Diese Sicherheitskräfte – das ist ihre

> offenkundige Funktion – sollen den Krieg der USA und ihrer Verbündeten in

> einen Bürgerkrieg verwandeln wie seinerzeit die Regierungsstreitkräfte in

> Südvietnam. Die fürchterlichen Folgen für den angeblich doch befreiten Irak

> sind absehbar – und ab jetzt von der UNO sanktioniert. Bundskanzler Schröder

> hat angekündigt, daß sich die Bundesrepublik in Form von Hilfe zur

> Ausbildung (sicher auch durch Lieferung von Waffen) an dem Aufbau dieser

> Bürgerkriegsarmee beteiligen wird.

>

> Die von Kofi Annan als »fair und gerecht« bezeichnete Resolution 1546 ist

> für mich der Tiefpunkt in der Geschichte der Vereinten Nationen. So viel

> Unwahrheit war in der UNO wohl noch nie, und nie hat der Sicherheitsrat

> ein-schließlich seines Mitglieds Bundesrepublik Deutschland aus Lügen so

> bedenkenlos machtpolitische und juristische Schlüsse gezogen. Alle Staaten

> der EU und die Kommission in Brüssel haben die Resolution begrüßt.

>

> Der Autor ist Sprecher des rechtspolitischen Ausschusses der Internationalen

> Liga für Menschenrechte.

>

>

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> E N D E

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