Ein Mann sucht seinen Weg

 

Autor

Arnold Zweig, ,

Verlag

GNN-Verlag

Land

BRD

Preis

DM 18.-

Seiten

 

Jahr

2000

 

1. Heinz Kamnitzer über Arnold Zweig

Unter dem Titel, Ein Mann sucht seinen Weg stellt Heinz Kamnitzer noch einmal seinen väterlichen Freund Arnold Zweig vor. Statt dieses Büchlein zu rezensieren, kündigen wir es an, indem wir aus der Einleitung des Autors (S.5-7) zitieren, die uns unter anderem eine klassisch knappe Zusammenfassung der jüngsten deutschen Geschichte zu bieten scheint:

"Für Arnold Zweig ist der Weg zur Reife sehr lang gewesen. Er nannte sich selbst einen Spätblüher und kam erst auf der Lebensmitte an die große Wende, die seine Weltanschauung, sein Geschichtsbewußsein und seinen politischen Standort bestimmte und ihn veranlaßte, in der Literatur die Summe seines Daseins zu ziehen.

Seine Biographie reicht von 1887 bis 1968. Dazwischen spielten sich die Katastrophen ab, die ihn und uns geprägt haben. Die Gründerjahre und das Kaiserreich mündeten in den Ersten Weltkrieg und die Niederlage. Dann führte eine halbe Revolution nach vierzehn Jahren zur vollendeten Konterrevolution. Damit wurde die Strecke frei zu den Konzentrationslagern und den Blutbädern des zweiten Weltkrieges und wieder in die deutsche Kapitulation.

In dieser Zeit schickte die deutsche Sozialdemokratie den Zug von Millionen für Kaiser und Krupp auf die Schlachtfelder, stellte danach in der Weimarer Republik als ersten Prädidenten einen Genossen, der verkündet hatte, das Heer kehre unbesiegt aus dem Felde zurück, und zog bis zuletzt den Burgfrieden mit den bürgerlichen Parteien einer Einheitsfront mit den Kommunisten vor.

In dieser Zeit wurden wenige sehr reich und viele ärmer und arbeitslos. Auf diesem Nährboden konnte der deutsche Nationalfaschismus blühen und gedeihen und kam nach den Gesetzen einer parlamentarischen Demokratie an die Macht, gefördert und gerufen von den Großindustriellen, Großbankiers und Großgrundbesitzern der deutschen Nation.

In dieser Zeit durften Rassenwahn und Judenfeindschaft um sich greifen, bis der Antisemitismus zur Staatsdoktrin wurde und ihre Opfer in der Endlösung ausrottete. Auf dem europäischen Kontinent wurden alle Gegner der braunen Barbarei überwältigt und vernichtet. Der Kreuzzug unter dem Hakenkreuz fand erst sein Ende, als die Wehrmacht die Grenzen der Sowjetunion überquerte und von der Roten Armee zerschlagen wurde.

Und zu dieser Zeit entstanden auf deutschem Boden zum ersten Mal zwei Staaten, in denen die gesellschaftlichen Gegensätze des XX. Jahrhunderts sich ausprägten.

In den Romanen, Novellen und Essays von Arnold Zweig bricht sich diese Zeit, die aus den Fugen ist. Mögen uns Generationen, Schauplätze und Schicksale trennen, in seinem zentralen Thema ‘der große Krieg der weißen Männer’, in seiner Sehnsucht und Suche nach dem Ziel - Irrfahrten eingeschlossen - erkennen wir uns selbst, nicht zuletzt auch die verhängnisvolle Vorgeschichte unseres Landes, dessen gebrannte Kinder wird sind."

(Heinz Kamnitzer, Ein Mann sucht seinen Weg. Über Arnold Zweig, GNN-Verlag, ISBN 3-89819-065-, DM 18.-.)