Risala-Aktuell (Nr. 1)
Rundbrief gegen die Mauern des Schweigens und die Manipulation der
Weltöffentlichkeit
Das Schweigen der Medien
Das Schweigen der Medien über die wirkliche Lage im Irak ist gegenwärtig nicht zu
überhören. Lediglich manipulierte Berichte und Reportagen, welche sich als Sprachrohr der
Besatzung erweisen, gelangen in die Öffentlichkeit.
Während sich in englisch-, französisch- oder auch spanischsprachigen Zeitungen vereinzelt,
wenngleich auch selten, aufklärende Artikel und Berichte finden (Le Monde, Guardian, u.a.),
glänzt die deutsche Medienlandschaft durch eine schier undurchdringliche Glocke des
Schweigens. Schweigen und Manipulation lassen sich nicht nur für die westlichen Medien
feststellen, sondern finden sich ebenso in den Arabischen, darunter auch die bekannten
Satellitensender Al-Dschazira und Al-Arabiya. Mit den arabischen Printmedien sieht es leider
kaum anders aus. Ausnahmen lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Lediglich die
Web-Seiten des irakischen Widerstandes sind Quellen für ansonsten verschwiegene oder
unterdrückte Nachrichten und Analysen (siehe dazu das Web-Seiten-Verzeichnis am Ende).
Daher ist es dringend erforderlich Öffentlichkeit auf anderen Wegen herzustellen. Risala-
Aktuell bemüht sich darum, indem es einerseits mündliche Berichte aus dem Irak übermittelt
und andererseits bestrebt ist, so weit als möglich Web-Seiten in europäischer oder arabischer
Sprache auszuwerten und einem deutschsprachigen Lesepublikum zugänglich zu machen.
Zum Schluss eine Bitte: Alle, denen die Verbreitung der Wahrheit am Herzen liegt, sind
aufgerufen, die Rundmail zu verbreiten, weiter zu senden. Wer Journalistinnen und
Journalisten kennt, die bereit sind, sich dem Mainstream der Besatzungspropaganda
entgegenzustellen, gleich welcher Medienart, können sich an uns wenden (risala@tonline.
de). Wir vermitteln Interviews und liefern Analysen. Über diese mailadresse ist auch
das soeben erschienene Jahrbuch Risala Nr. 6 mit dem Schwerpunkt Irak zu beziehen.
Die Ausgabe enthält Hintergrundanalysen von humanistisch und antiimperialistisch
orientierten Autorinnen und Autoren, von namhaften Wissenschaftlern und anderen
aufrechten Menschen, die sich der Aufklärung über die vor unseren Augen stattfindenden
Verbrechen gegen die Menschlichkeit verschreiben und ihre Solidarität mit dem irakischen
und dem Widerstand andernorts zum Ausdruck bringen: Gegen die Politik der verbrannten
Erde, mit welcher der Imperialismus die Völker der Erde und den Globus als Träger des
Lebens überzieht. Risala Nr. 6 zählt 216 Seiten und ist für 12.-, Euro plus Versandspesen zu
beziehen (Auf Wunsch lassen wir Ihnen gerne nähere Informationen über Inhalt, Aufbau und
AutorInnen zukommen).
2
Zur Lage im Irak
Etwa 30% des irakischen Territoriums, vor allem in der Provinz Anbar (Ramadi, Falluja,
Bakuba) sind befreit und werden vom irakischen Widerstand kontrolliert. Mossul, die große
Stadt im Norden, ist seit langem befreit.
Die Besatzer haben sich am Rande der Provinz, in der Wüste positioniert und fallen von Zeit
zu Zeit in die befreiten Gebiete ein, ohne sich in irgendeiner Weise dort halten zu können. Die
Besatzung versucht die Region von Stromversorgung, Lebensmitteln und Wasser
abzuschneiden. Die völkermörderische Blockade, mit welcher der Irak seit 1990 geknechtet
wird, wurde in aller Grausamkeit weiter verschärft, gerade gegen jene Regionen, in denen
der Volkswiderstand stark ist. Dort haben die Besatzer das gesamte Elektrizitätssystem
zerstört. Auch Bagdad hat im Monat vielleicht 30 Stunden Stromversorgung. Das Leben
verläuft auch hier weitestgehend ohne Strom; vereinzelt kommen Generatoren zu Einsatz, für
deren Nutzung sich fünf bis sechs Familien zusammentun. Wasserversorgung ist sehr
eingeschränkt, Flusswasser muss abgekocht werden.
In einigen Städten wird bewusst der Müll nicht entsorgt. Die Verschmutzung ist gewollt,
damit Seuchen ausbrechen. Es gibt Fälle, in denen die so genannte irakische Polizei
angewiesen wurde, den Müll, welchen die Bewohner auf Eigeninitiative hin entsorgten, in die
Wohnviertel zurück zu transportieren.
Benzin gibt es im ölreichsten Land der Erde ebenfalls nur in äußerst begrenztem Maße. Für
drei Stunden warten an der Tankstelle erhält der Fahrer schlechtes Benzin, das sich zudem als
Widerstandsbekämpfungsmaßnahme entpuppt, weil die Autos nur begrenzt fahren und kaum
beschleunigen können.
Die Währung des Landes wird gezielt inflationiert, unter anderem auf dem Wege des Ausser-
Landes-Schaffen von Mrd. von Irakischen Dinar unter andrem auf die libanesische
Zentralbank. Politisch wird seitens der Besatzer versucht, durch die Förderung einer
Parteienvielfalt möglichst ein Klima des "jeder gegen jeden" zu schaffen, in welchem
partikulare Interessen von Parteien, die zuweilen nicht mehr als drei Mitglieder umfassen, die
Anstrengungen des Volkes zur Befreiung des Landes untergraben sollen. (Vor der Besatzung
zählte der Irak sieben Parteien, jetzt sind es 300.)
Die Zahl der Irakerinnen und Iraker in den Kerkern und Konzentrationslagern lässt sich auf
etwa 100’000 Gefangene schätzen. In Haft zu geraten oder zu verschwinden geschieht bei
auch nur leisem Verdacht. Viele Wissenschaftler, die aufgefordert wurden, in die USA
auszureisen und die dieser Aufforderung nicht nachkamen, wurden ermordet.
Die SchülerInnen im Irak werden, dort wo es möglich ist eine Schule zu besuchen, einer
systematischen Hirnwäsche unterzogen. Die neuen Lehrer kommen meistens aus den USA
und England. Auch die neuen Schulbücher wurden bereits im Ausland gedruckt. In den
Geschichtsbüchern erfahren die Schülerinnen nichts mehr über die Widerstandsgeschichte der
20er Jahre gegen die britische Besatzung; sie enden mit dem Jahre 1968, mit der irakischen
Revolution, welche die Baathpartei an die Regierung brachte. Diese Zeit gibt es in den
Schulbüchern schlicht nicht mehr.
Bagdad
Auch in Bagdad gibt es befreite Stadtteile, Gebiete in welche sich die Besatzer nicht
hineinwagen und sich die irakische Polizei weigert, diese zu erstürmen (z.B. das Gebiet um
die Haifastrasse). Konvois von Besatzern kommen z.B. nach Adameeya nicht hinein; die
dortigen Polizeistationen sind mit Polizisten von außerhalb besetzt, die keinerlei Verbindung
und Berührung mit der lokalen Bevölkerung haben.
3
Die so genannte irakische "neue Armee" rekrutiert sich vor allem aus den kollaborierenden
Milizen von Hakim, Barzani und Talabani. Dabei soll nicht der Eindruck erweckt werden, als
sei es den Besatzern gelungen das irakische Volk ethnisch zu spalten; auch in überwiegend
kurdischen Regionen gibt es Widerstand seitens kurdischer Patrioten gegen die Besatzung
(vor allem in Mossul und Dokuk). Das gilt auch für Basra und den gesamten Süden. Gerade
kürzlich gab es Widerstandsaktionen in Babylon und in Basra wurden 11 Boote der Briten
versenkt.
Ein Mittel, befreite Gebiete oder Stadtteile der Kontrolle und dem Vertrauen der Bevölkerung
in den Widerstand zu entziehen, ist der schmutzige Krieg der Aufstandsbekämpfung
(Counter-Insurgency). Dies sind bekannte Methoden des Imperialismus. Ein Beispiel ist die
Niedermetzlung von Polizeirekruten. Es fällt auf, dass erst gewartet wird, bis sich möglichst
viele dieser Rekruten an bestimmten Sammelstellen versammelt haben, wo sie lange Zeit
warten. In deren Nähe sind weder Besatzungs-US- noch irakische Soldaten. Diese kommen
immer erst nach der mediengerechten Inszenierung der Anschläge und setzen sich in Szene.
Der Widerstand distanziert sich auf Flugblättern von solch feigen Anschlägen und macht auf
deren Hintergründe aufmerksam. Der Widerstand verfügt über ein hervorragendes
Kommunikationssystem, vor allem mit Flugblättern kann die Bevölkerung flächendeckend
informiert werden. Die Haushalte finden nahezu jeden Morgen Flugblätter, welche unter ihrer
Tür hindurch geschoben wurden. In diesen Flugblättern warnt der Widerstand auch, dass sich
Kinder von den Besatzungssoldaten fern halten sollen. Diese verteilen bewusst Bonbons an
die Kinder, während sie sich durch die Straßen bewegen, um diese dann als lebende
Schutzschilder vor möglichen Widerstandsaktionen zu missbrauchen.
Zu den Methoden der Aufstandsbekämpfung gehört es auch, an öffentlichen Gebäuden Minen
zu legen, deren Herkunft nicht nachgewiesen kann. (der Widerstand verfügt über irakische
Minen sowjetischer Bauart.)
Am 29. September explodierten Minen vor dem Gericht, vor einer Mädchenschule und vor
der Abu Hanifa Moschee. Diese Verbrechen werden von den Milizen im Dienste der
Besatzer verübt, darunter Failaq Badr (vor allem Iraner) und kurdische Peshmerga. Solche
hinterhältigen Anschläge sollen Angst, Misstrauen und Unsicherheit schüren, die
unterschiedlichen Gemeinschaften gegeneinander aufhetzen und vor allem den Widerstand
diskreditieren. Auch in den medienwirksam aufbereiteten Entführungen und Ermordungen
haben die Geheimdienste ihre Hände im Spiel, wie zuletzt im Falle der irakisch-englischen
Bürgerin Margret Hassan.
Dort wo Besatzer und neue irakische Armee hingelangen, wird alles, was nicht niet- und
nagelfest ist, z.B. Leitplanken, abgebaut. Als Metallmaterial werden sie in den Iran gebracht,
auch dann, wenn die US-Panzer sie plattgewalzt haben, um den Hammerfahrzeugen den Weg
zu bahnen.
Ab 20:00 Uhr ist in Bagdad niemand mehr auf den Strassen. Eine Geisterstadt, in der ständig
die Gefahr von Überfällen von Gangs lauert. Eine Stadt, die vor der Besatzung die ganze
Nacht über einlud, spazieren zu gehen. Die Besatzung hat das einst blühende Leben Bagdads
erstickt.
Widerstand
Wenn der Widerstand Minen einsetzt, dann gezielt, z.B gegen Abraham Panzer der USBesatzer,
die 67 Tonnen schwer sind. Beispiele für Widerstandsaktionen, die nicht berichtet
werden, sind der Abschuss von rund 90 Boden-Boden-Raketen gegen US-Stützpunkte der
Besatzer. Erst Mitte November wurden drei Boden-Boden-Raketen mit einer Länge von
sieben Metern gegen die Besatzer abgefeuert.
4
Der Widerstand ist fest im Alltag verwurzelt. Am Freitag vorletzter Woche hatte der Imam
(Vorbeter) der Abu Hanifa Moschee in Bagdad für den Widerstand gepredigt. Daraufhin
versuchten die US-Besatzer und die "neue Armee" die Moschee zu erstürmen. Vierzehn
Moscheebesucher, 12 amerikanische Soldaten und 6 Soldaten der "neuen Armee" wurden
getötet. Daraufhin griff der Widerstand die lokale Polizeistation an. Nach inzwischen auch in
den USA veröffentlichten Angaben belaufen sich die "Casualties" (Verluste) auf Seiten der
US-Besatzer auf rund 30’000 (truthout.org). Darüber wird ebenso geschwiegen, wie über die
Anzahl der Verluste auf Seiten Japans und Englands.
Es wurden heimlich angelegte Massengräber gefunden. Bei den gefundenen Leichen handelt
es sich um Hispanics, mittelamerikanische Immigranten, welche mit dem Versprechen einer
Greencard in die Armee gelockt und jetzt ohne Papiere "entsorgt" werden.
Falluja
Nachdem der Widerstand im Frühjahr die Kontrolle über die Stadt übernommen, und auch die
Ein- und Ausgänge von Falluja kontrolliert hat,, war sie zu einem wichtigen Zentrum des
befreiten Irak geworden. Ein Widerstandsrat hatte die Belange der Stadt in die Hand
genommen. In Falluja gab es weder ausländische Kämpfer noch eine Figur namens Al-
Zarqawi, das neue Gespenst in der US-Propaganda, welches nun auf das Gespenst der
Massenvernichtungswaffen folgt und durch die Medien geistert.
Es wurden gezielt Krankenhäuser bombardiert oder eingenommen. 17 irakische Ärzte wurden
beim Versuch mit einem Boot den Euphrat zu überqueren um den Verletzten zu Hilfe zu
eilen, von US-amerikanischen Scharfschützen ermordet. Ein ausführlicher und lesenswerter
Bericht über den Völkermord in Falluja findet sich unter:
greenleft.org.au (im Folgenden nur ergänzende, wichtige Informationen:)
Nach 10 Tagen Schlacht konnten sich die Besatzer nur in den Hauptstrassen bewegen. Mehr
als 39 Panzer wurden von den Widerstandskräften zerstört und 126 amerikanische Soldaten
gefangen genommen. Obwohl es dazu Filmmaterial gibt, strahlt kein einziger Sender dieses
aus. Elf Hubschrauber und zwei F-16 wurden abgeschossen.
Giftgaseinsatz
Der Widerstand geht bis heute weiter. Wenngleich er geschwächt ist; nicht zuletzt durch den
Einsatz von Giftgas in einigen Vierteln von Falluja, z.B. Jowlan, wo der Widerstand
besonders stark war und wo Napalm-, Phosphor- und Clusterbomben1 eingesetzt wurden.
Irakische Ärzte konnten inzwischen Leichen untersuchen, die aufgeschwollen und gelb
gefärbt waren und keine andere Todesursache als Giftgas aufwiesen. Angehörige berichten
von US-Soldaten, die Leichen heimlich in Plastiksäcken in Flüsse warfen und andernorts die
1 Clusterbomben, auch Kanisterbomben genannt, sind eine äusserst heimtückische Waffe: Die
eigentliche Bombe gibt Hunderte von kleineren "Bomblets" frei, dies auf der Grösse eines
Fussballfeldes. Diese Bomblets explodieren – oder eben nicht. Diese Cluster Munition richtet
sich vor allem gegen die Zivilbevölkerung: Ihrer grossen Streuwirkung wegen kann sie kaum
gezielt eingesetzt werden. Die entstehenden Blindgänger gefährden die Zivilbevölkerung noch
lange nach den eigentlichen Angriffen. Eine israelische Firma stellt diese heimtückische Waffe in
Zusammenarbeit mit der Schweizer RUAG her. Die RUAG verletzt damit nicht "nur" die
Schweizer Neutralität, sondern auch gleich mehrere Bestimmungen des internationalen
Völkerrechts. (Verbot des Verkaufs von Kriegsmaterial an kriegsführende Parteien u.a.m.) Wer
sich persönlich informieren möchte, oder seinen Protest platzieren will, findet die E-Adresse der
RUAG im Anhang.
5
Bestattung der Toten, an einem Tag zwanzig (darunter zwei Frauen und ein Kind) und am
anderen Tag vierzehn Tote ohne die Begleitung von US-Soldaten untersagten. Fotos von den
Toten durften ebenfalls nicht aufgenommen werden. Für den Einsatz von Giftgas seitens der
US-Besatzer spricht auch, dass Soldaten mit Gasmasken zu sehen waren.
Verletzte oder Tote wurden hinter Panzern durch die Stadt geschleift.
In letzter Minute:
Kurz vor dem Versand dieses Rundmails erreichte uns noch die folgende Meldung:
Die folgenden Zahlen sind die amerikanischen Verluste in NUR 20 Tagen! (Von 07/11 bis
27/11/2004).In diesen 20 Tagen wurden 30 Flugblätter verteilt.
Was ihr oben lesen, aber vielleicht nicht verstehen könnt, ist folgendes:
• 474 Tote
• 734 Verwundete
• 3 Abgeschossene Hubschrauber in Bagdad
• 5 Brennende Erdölquellen in Basra und Karkus
• 81 Zerstörte Panzer und gepanzerte Wagen
• 166 Autos (Hammer, Hemphy und Polizeiautos)
Von Falluja wird folgendes berichtet:
• 670 Tote
• 3800 Verwundete
• 17 Abgeschossene Hubschrauber und unbemannte Flugzeuge
• 189 Zerstörte Panzer und gepanzerte Wagen
• 55 zerstörte sonstige Militärautos
• 126 Gefangene US-Soldaten
6
Anhang: Webseiten und E-Adressen zum Thema
albasrah.net (Widerstand, auch englisch)
iraqpatrol.com(auch englisch)
alchahed.net (französisch, englisch)
iraq-news-net.de (deutsch)
iraqresistance.net
gifightback.org (geflohene GI´s)
http://www.ruag.ch/ (Schweizer Waffenschmiede, unterhält Beziehungen zu den USA,
England und Israel, weshalb sie das tun, kann unter info@ruag.com nachgefragt werden).