Risala Aktuell (Nr. 2 Januar 2005) Rundbrief gegen die Mauern des Schweigens und die

Manipulation der Weltöffentlichkeit

 

Der Prozess gegen Präsident Saddam Hussein – ein

Prozess gegen die Arabische Nation

Präsident Saddam Hussein ist ein Zeuge, aber kein Angeklagter

Wir sind gegen die Aggression und Besatzung des Iraks. Wir möchten, dass die

amerikanischen und sogenannten alliierten Besatzungstruppen das Land verlassen. Wir sind

gegen das alltägliche Töten von Zivilisten durch die Hände Amerikas und gegen die

willkürliche Festnahme von Männern, Frauen und Kindern, gegen das Einbrechen des Nachts

in die Häuser und das Verbreiten von Angst und Schrecken. Wir sind auch gegen die

Festnahme des Präsidenten Hussein, der jetzt ein Gefangener ist. Wir möchten, dass er und

alle Führungsmitglieder der irakischen Führung sofort freigelassen werden, weil deren

Festnahme unrecht und ohne jegliche Respektierung humanitärer Grundsätze und

internationalen Rechts ist. Wir hoffen, dass alle Araber und Muslime, ob führende oder

Völker, an der Seite des Iraks und des Widerstandes stehen, um die amerikanische Besatzung

und deren Marionetten aus dem Land zu treiben. Die Besatzer und Marionetten haben nichts

anderes getan, als die vormalige Regierung zu beschimpfen. Dabei haben sie kein Wort zur

Verteidigung des irakischen Volkes verloren. Die Marionetten haben den Besatzern geholfen,

um den Irak zu zerstören, was er in Jahrzehnten aufgebaut hat. Obwohl die damalige

Regierung den Irak bis zuletzt verteidigt hatte und dies immer noch tut.

Das Gericht spricht jetzt von einem historischen und gerechten Urteil, obwohl dieses selbst

nicht, weder im, noch außerhalb des Iraks, legitimiert ist. Was auf Unrecht baut, bleibt

unrecht. Weil die Okkupation durch die Amerikaner und Alliierten mit Hilfe der Marionetten

unrecht ist. Es ist ein großes Verbrechen gegen den Irak, die Araber, die Muslime und die

Menschheit. Weil der legitime Präsident das Land und die Nation verteidigt hatte, ist es

gemäß des internationalen Völkerrechts unrecht.

Jetzt jedoch befinden wir uns im Gesetz des Dschungels, unter dem Recht des Stärkeren, in

der Unterwerfung unter das Verbrechen. Der Tyrann der heutigen Zeit, Bush und seine

Clique, maßen sich an, den gefangenen Löwen des Iraks auf Basis der Ungesetzlichkeit

abzuurteilen.

Artikel 40 der bis heute gültigen irakischen Verfassung gewährt dem Präsidenten des Iraks

Schutz. Auch der internationale Gerichtshof hat im April 2002 die Verurteilung von

Präsidenten verboten. Das belegt, dass die sogenannte Anklage illegitim ist. Sollten wir der

Anklage gegen den Präsidenten dennoch zustimmen, dann fordern wir irakischen Ärzte und

Professoren der irakischen Universitäten, dass alle Akten aus der Zeit der Juli Revolution von

1968 bis zum Besatzungstag am 9.04.2003 über den Irak und die arabische Nation dem

Verfahren zu Grunde gelegt werden. Wir sind der Meinung, dass der Präsident Saddam

Hussein kein Angeklagter, sondern ein Hauptzeuge in Hinblick auf das, was mit dem Land,

dem Volk, der Nation und seiner Regierung geschehen ist. Diejenigen, die den Fall Irak

verursacht haben, sollten angeklagt werden. Von unserer Seite werden wir Iraker einladen,

dem Gericht Beweise vorzulegen. Wir werden der gegnerischen Partei folgende Beweismittel

vorlegen:

 

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Erstens: Die iranischen Regime müssten aus folgenden Gründen zuerst angeklagt werden:

a.) sie haben den Krieg gegen den Irak am 4.09.1980 vom Zaun gebrochen und eskaliert, als

die iranischen Militärmaschinen Bagdad angegriffen haben. Manche der Flugzeuge haben wir

abgeschossen und deren Piloten in Bagdad in Gefangenschaft bis zum Beginn der Besatzung

gehalten.

b.) Iran hat die irakischen Grenzstädte und –dörfer bereits vor dem 4.09.80 besetzt und

zusätzlich Artillerie zu deren Zerstörung eingesetzt. Hinzu kamen die Reden von Khomeini in

dieser Zeit, in denen er sagte, er habe eine Armee gegründet, deren Spitze in Bagdad und

deren Ausgangspunkt in Qomm stünde. Erst am 22.09.1980 kam die irakische Antwort, also

erst drei Wochen nach dem vom Iran begonnen Krieg. Deswegen trägt der Iran die volle

Verantwortung für alle daraus resultierenden Entschädigungsansprüche.

c.) Die iranische Führung ist, trotz aller irakischen einseitigen Aufrufe zum Friedensschluss

niemals darauf eingegangen. Das gilt auch für die arabischen, islamischen und internationalen

Bemühungen zur Schlichtung und Vermittlung. Diese wurden vom Irak im Unterschied zum

Iran akzeptiert. Irak hat mehr als 240 Schreiben an internationale und regionale

Organisationen adressiert und darauf hingewiesen, dass der Iran den Krieg fortsetzt. Unser

Beweis dafür ist die Äußerung von Chomeini am 8. August 1988: "Ich schlucke das Gift,

während ich die Waffenstillstands-Resolution 598 unterschreibe."

d.) Iran und ihre Führung haben Kriegsverbrechen gegen irakische Gefangene begangen,

indem sie diese lebendig zerrissen haben. In der Schlacht von Al-Bsetin haben die Iraner

Gefangene an Fuß- und Handgelenken festgebunden und zwischen Militärfahrzeugen

zerrissen (als Beweis gibt es Filmaufnahmen). Der Iran hat darüber hinaus das Massaker von

Halabja begangen, indem er chemische Waffen (Zyanid-Chlorid) einsetzte. Ein chemischer

Kampfstoff, über den der Irak niemals verfügte. Das wurde auch vom Pentagon und der CIA

inzwischen bestätigt.

e.) Die physische und psychische Folter von irakischen Gefangenen im Iran, die auch nach

dem Ende des Krieges und nachdem der Irak alle iranischen Gefangenen freigelassen hatte

(mit Ausnahme von den Piloten des 22. September 1980, die als Beweismittel für den

Luftangriff dienten), fortdauerte. Hinzu kam die Gehirnwäsche, denen die Gefangenen

unterzogen waren. Die meisten dieser Gefangenen sind heute körperlich und vor allem

seelisch schwer geschädigt.

f.) Iran und ihre Marionetten haben 1991, während des amerikanischen Angriffs gegen den

Irak, staatliche Behörden zerstört, geraubt, gebrandschatzt, Provinzgouverneure und weitere

staatliche Autoritäten, sowie alle, welche diese verteidigten, umgebracht. Das gilt für den

Süden des Irak, aber auch den Norden des Landes. Irak hat mehr als 60 iranische

Geheimdienstoffiziere festgenommen und diese bis zum Beginn der Besatzung am 9. April

2003 in Gefangenschaft als Beweis für diese Vorkommnisse behalten. Diese Offiziere haben

mit Unterstützung seitens der USA operiert und wurden mit US-Hubschraubern von einer

Provinz zur nächsten des Südens transportiert. Diese sind für die sogenannten und den

Weltmedien präsentierten Massengräber verantwortlich. (Inzwischen wurden von der

sogenannten Anklage gegen Präsident Saddam Hussein diese beide Anklagepunkte Halabja

und "Massengräber" fallen gelassen).

 

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g.) Das iranische Regime hat die im Iran bewahrten irakischen Zivil- und Militärflugzeuge

während der amerikanischen Aggression von 1991 nicht an den Irak, wie vereinbart,

zurückzugeben. Zusätzlich befinden sich unschätzbare viele Werte seit der neuerlichen

Aggression des Jahres 2003, materielle und kulturgeschichtliche, die aus dem Irak in den Iran

verschleppt worden sind, bis heute dort.

Zweitens: Die Beurteilung der Führer der kollaborierenden schiitischen Gruppierungen, die

auf iranischer Seite agieren, z.B. die sogenannte "Badr Divison", des "Höchsten Islamischen

Revolutionsrat" oder der "Da´wa-Partei".

Diese haben die Zerstörung im Südirak, vor allem die Tötung unschuldiger Menschen im

Süden, zu verantworten und dabei mit der amerikanischen und iranischen Seite

zusammengearbeitet. Sie haben den US-Aggressoren den Weg gebahnt, indem sie ihnen einen

leichten Vormarsch vorgespielt haben. Dafür sind Tausenden unschuldige Iraker und

Irakerinnen gestorben und wurde das eigene Land völlig zerstört.

Drittens: Beurteilung der Chefs der kurdischen Parteien, die mit den Besatzern kollaborieren.

Diese haben sich stets gegen den Irak und die Zentralregierung gestellt, obwohl eigene Rechte

für das kurdische Volk in einer vollständig humanistischen Art und Weise garantiert waren,

wenn wir die unmenschliche Lage der Kurden zum Vergleich in den Nachbarländern

heranziehen. Diese kurdischen Parteien haben Irak und vor allem die eigene kurdische Sache

verraten, indem sie Tausende kurdischen Zivilisten in den innerkurdischen Kriegen auf

kurdischem Gebiet töteten, um die Führerschaft und Territorien für sich zu beanspruchen.

Diese Parteien gierten nach einem sogenannten großen Kurdistan und besetzten auch nichtkurdische

Regionen, wie z.B. Kirkuk, das arabisch-turkmenisch-kurdisch ist. Das ist nur ein

Vorspiel, den Irak zerstückeln.

Alle Mitglieder im sogenannten "Iraqi Gouverment Council" tätigen Kollaborateure haben

sich dem irakischen Volk als Verräter entlarvt.

Viertens: Wenn wir die Zeit der 80er Jahre des iranisch-irakischen Krieges richtig beurteilen

wollen, müssen wir alle Beteiligten miteinbeziehen, z.B. die arabischen Präsidenten, Firmen

und Einzelpersonen, weil diese Gegenüberstellungen die historische Lage zwischen der

arabischen Nation und dem persischen Iran verdeutlichen.

Der Irak war mit eigenen Leuten und Geld dem Iran gegenüber gestanden, um die arabische

Nation vor der sogenannten islamisch-schiitischen Revolution zu schützen. Die ersten, die vor

Gericht erscheinen müssten, wären die Oligarchien der arabischen Golfstaaten, zuallererst die

kuwaitische, weil diese am stärksten gegen den Iran agierten. Andere arabische Präsidenten

positionierten sich an der Seite des Iraks und ließen eine starke Medienkampagne gegen den

Iran lostreten. Jetzt erweisen sich diese als doppelgesichtig, um sich das Wohlgefallen der

US-Aggressoren zu erkaufen.

Fünftens: Die Beurteilung der kuwaitischen Oligarchie, dem "Verräter der arabischen

Nation".

1.) Kuwait begann einen Wirtschaftskrieg gegen den Irak in Zusammenarbeit mit den USA

und England im Zeitraum von 1988 bis 1990. Zum einen wurde gezielt der Ölpreis auf

niedrigstes Niveau heruntergedrückt und zugleich wurde während des iranisch-irakischen

Krieges das irakische Öl aus den Rumaila-Ölfeldern geraubt (durch eine bestimmte über die

irakisch-kuwaitische Grenze vorgenommene Ölbohrung).

 

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2.) Kuwait hat den Irak des öfteren respektlos provoziert, was schließlich zur Aktion vom 2.

August 1990 führte, der sogenannten Besetzung Kuwaits durch den Irak. Die Kuwaitis haben

daraufhin US-Truppen herbeigerufen, welche den Irak angriffen und dessen Infrastruktur

völlig zerstörten.

3.) Unter Ausnutzung von UN-Sicherheitsrats-Resolutionen gegen den Irak wurde eine 13

Jahre lang währende Blockade verhängt, die 1.7 Millionen Menschen das Leben kostete.

Unter immer neuen Vorwänden wurde diese verlängert und ausgedehnt. Dies geschah z.B.

mit Hinweis auf vermeintlich im Irak festgehaltene kuwaitische Kriegsgefangene, wenngleich

es diese nicht gab. Was aber sagt Kuwait heute, nach der Besatzung von 2003, nachdem diese

in den dortigen Medien bis dahin täglich an erster Stelle propagiert waren? Heute mit Beginn

der Besatzung ist keine Rede mehr von diesen vermeintlichen Gefangenen.

4.) Die Kuwaitis haben der Besatzung den Boden bereitet, von dem aus die US-Truppen ihre

Aggression starten konnten. Kuwaitis waren es, die staatliche Behörden, Museen,

Universitäten, Krankenhäuser und andere Einrichtungen mit Hilfe der US-Aggressoren und

des israelischen Mossads plünderten und brandschatzten. Die alte und die moderne irakische

Zivilisation wurde völlig zerstört.

Sechstens: Die Beurteilung der an erster Stelle stehenden Kriegsverbrecher Bush senior und

des dessen Sohn George Bush, Blair, Thatcher, Cheney, Rumsfeld und alle Mitarbeiter dieser

Administrationen, aber auch alle Präsidenten der sogenannten Alliierten und deren

Vereinigungen, Firmen, sowie auch selbständig handelnde aus nicht-alliierten Staaten und

die Beurteilung der sich irakisch nennenden Parteien, die auf amerikanischen Panzern in den

Irak kamen, nachdem sie eine "Ausbildung" in den USA oder England genossen hatten.

Diese Leute haben die größten Verbrechen in der Geschichte des Iraks ermöglicht, weil sie

das Vaterland billig an die Aggressoren verkauft haben, um sich einen Posten, Prestige,

Namen und Geld zu ergattern.

Auch wenn das irakische Volk keine Waffen mehr haben sollte, es wird mit Steinen

weiterkämpfen, bis die Marionetten und Besatzer vertrieben sind.

Die Geschichte von den Massenvernichtungswaffen ist die größte Lüge von Bush und Blair,

der sich andere Lügen gegen den Irak und seine Regierung anschließen, um "Demokratie"

und "Menschenrechte" in den Irak zu bringen. Diese Lügen haben sich in Schall und Rauch

aufgelöst.

Alles was im Irak menschlich und vorbildlich war, wurde zerstört. Freiheit, Demokratie und

Menschenrechte haben mit diesen Leuten nichts zu tun.

Wir, irakische Professoren und Ärzte der Universitäten des Irak, sagen, dass Präsident

Saddam Hussein und die Regierung alles getan haben, was ein jeder aufrechter und mutiger

Mensch hätte tun sollen: das eigene Land und die Nation verteidigen. Dies gemäß der

Verfassung, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten und den Aggressor aufzuhalten.

Hätte er dies als Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte eines unabhängigen,

selbstbestimmten, würdigen und sicheren Staates nicht getan, dann bräuchten wir ihn nicht.

Siebtens: Die Beurteilung des verbrecherischen zionistischen Gebildes "Israel" in der

heutigen Welt, das Basis und Ausgangspunkt eines jeden Problems in der Region, wie auch

der arabisch-islamischen Nation ist. Dieses vernichtet das palästinensische Volk, besetzt

dessen Land und verübt an ihm alltäglich Verbrechen. "Israel" hat im Jahre 1981 irakische

zivile Atomreaktoren angegriffen und beteiligte sich direkt und indirekt an den

amerikanischen Aggressionen der Jahre 1991 und auch jetzt seit 2003, bis heute.

Herr Generalsekretär der arabischen Anwaltsvereinigung: wir legen diese Tatsachen zu Ihren

Händen, wie auch zu Händen aller Vereinigungen, seien es Rechtsanwälte, Juristen und

Menschenrechtsorganisationen. Die Tatsachen sind überprüfbar, dokumentiert, archiviert und

durchnummeriert. Sie liegen vielen Institutionen vor, die sich mit dem Irak befassen oder mit

ihm zu tun haben, wie z.B. der UN-Sicherheitsrat, die Arabische Liga und verschieden

Menschenrechtsorganisationen. In den irakischen Archiven finden sich unzählige

Zeugenaussagen von irakischen Bürgern.

Wir laden Sie und alle Vorsitzenden arabischer Rechtsanwaltsvereinigungen und

Menschenrechtsorganisationen ein, diese Fälle zu übernehmen, die Akten zu öffnen und alle

physisch, psychisch und materiell geschädigten Iraker und Irakerinnen anzuhören. Sie sollen

das Recht haben als Zeugen auszusagen und Anklage zu erheben.

Einer der wichtigsten Punkte: wir möchten von Ihnen im Namen der arabischen Nation und

der Menschheit, dass Sie sich das Recht der Irakerinnen und Iraker zu eigen machen. Dies

darf im Trubel und Lärm im Zuge der sogenannten Anklage gegen Präsident Saddam Hussein

nicht untergehen.

Wir wünschen von Ihnen, dass Sie sich vor allem auf die "Akte Massenvernichtungswaffen"

konzentrieren, da darin die Möglichkeit der Anklage gegen Bush und Blair, deren Alliierten

und ihre Marionetten gegeben ist. Viele Zeugen werden Ihnen zur Seite stehen. An erster

Stelle Präsident Saddam Hussein, der den Irak gegen das von langer Hand vorbereitete

Komplott verteidigt hat. Die Anklageerhebung gegen die Verbrecher Bush und Blair

erfordert, dass alle physisch, psychisch, materiell und ideell Geschädigten, der Irak und seine

Institutionen entschädigt werden. Nicht zuletzt wird dies eine historische gerechtfertigte

Anklage sein, die all jene verurteilt und straft, welche die Verbrechen gegen die Nation

begannen haben.

Wa as-salamu alaikum (mit freundlichen Grüßen)

Irakische Ärzte und Professoren

24.12.2003

(Quelle: Al-Basra.net)